Das Zuhause von morgen

24. Februar 2013, 17:00
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Automatisierte Häuser lassen sich per App fernsteuern – von den Jalousien bis zur Sauna, von der Alarmanlage bis zur Heizung.

Glaubt man amerikanischen Visionären wie Tim Shriver, ersetzt das automatisierte Haus eine ganze Heerschar von Dienstboten und verwandelt den Alltag in ein Märchen. "Home Automation erlaubt uns einfach zu sagen, was wir gerne hätten und alles was wir wünschen, passiert automatisch. Das ist eine Technologie, die unser Leben einfacher macht." Angeblich „spricht" der CEO der Firma Home Automated Living täglich mehrmals mit seinem Haus und diktiert Einkaufszettel oder lässt Licht an- und ausgehen. "Coolness, Lifestyle, Sicherheit und Energiesparen" sei der Sinn und Zweck des ferngesteuerten Hausmanagements.

Auch hierzulande locken Unternehmen mit Schlagworten wie Smart Home, intelligentes Wohnen, Home Management und Hausautomatisierung. Vom Elektriker über die Telekommunikationsindustrie bis zum Energieversorger verstehen darunter nicht alle dasselbe.

Kabelloses Stromnetzwerk

Die Grundstufe der Fernsteuerung für elektrische Geräte stellen Angebote dar, die auf W-Lan-fähigen Steckdosen basieren. Der so genannten Adapter für die Steckdose wird per App vom Smartphone oder iPad angesteuert und schaltet die angesteckten Geräte ein oder aus. Stehlampe, Fernseher, Musikanlage oder Computer lassen sich so aus der Ferne bedienen. Dieses Prinzip steckt zum Beispiel hinter "QGate", das in A1 Shops um 249 Euro erhältlich ist. Zusammen mit dem Adapter bietet "QGate" zum Beispiel 15 verschiedene Apps, deren Funktionen je nach angeschlossenem Elektrogerät variieren. Das Alarmsystem QChalet etwa simuliert Anwesenheit über Beleuchtungskörper, die per App ein- und ausgeschaltet werden.

Bequemlichkeit & Kostenersparnis

Energieversorger wie die Kärtner Kelag gehen einen Schritt weiter. Smart Home Austria heißt das Produkt, das eine Senkung der Heizkosten und mehr Bequemlichkeit verspricht.

"Ein hausinternes Funknetzwerk verbindet Heizung, Lüftung, Licht und Elektrogeräte mit einer zentralen Steuereinheit", steht in der Produktbeschreibung im Internet. Über ein gesichertes Funkprotokoll kommuniziert die Zentrale mit den an das System angeschlossenen Geräten und Heizkörpern. Zu den Geräten gehören Thermostate, Rauch- und Bewegungsmelder. Gesteuert wird per Fernbedienung, Wandsender oder Internet.

Das Kelag-Starterpaket mit Zentrale, Adapter für Strom, Wandschalter (Licht) und Thermostat (Heizung) gibt es ab 319 Euro.

Diese Modelle sind Insellösungen, mit denen jedes Haus, sofern es einen Internet-Anschluss hat, nachgerüstet werden kann. "Richtige" Home Management Systeme sind weitaus komplexer und synchronisieren über einen Steuerungsmechanismus (Controller) eine Vielzahl von Funktionen im Haus. Die maßgeschneiderten Systeme werden idealerweise bereits bei der Hausplanung mit bedacht. Dann kann die Verbindung und Steuerung der einzelnen Komponenten über ein BUS-System erfolgen, das die Elektroleitungen des Hauses als Kommunikationskanäle zwischen den Komponenten nutzt. Es gibt auch kabellose Systeme, die Funk- oder Infrarotfrequenzen benutzen. Auch Kombinationen sind möglich.

Maßgeschneidertes Home Management

Im Smart Home verknüpfen Steuerungsmechanismen die elektrischen Komponenten eines Hauses zu einem Paket. Die oberösterreichische Firma Loxone zum Beispiel hat einen Miniserver entwickelt, der als intelligente Zentrale alle elektrischen Endgeräte steuert. Per App für das Smartphone oder iPad oder über den Taster im Haus lassen sich Beleuchtung, Bewegungsmelder, Jalousien, Beschattung, Heizung, Unterhaltungselektronik, Sauna und Garagentore ganz nach den Vorlieben der Bewohner programmieren. Die Hausautomatisierung, die sich für jeden Kunden maßgeschneidert programmieren lässt, spart laut Loxone-Marketingmanagerin Claudia Egginger Aufwand und Energiekosten. "Ein Referenzprojekt dafür ist ein Altbau, in dem die Heizung nachgerüstet wurde. Die Reglementierung der Temperatur erfolgt zeit- und raumbezogen und ergab bei den Heizkosten eine Ersparnis von rund 1.000 Euro im Jahr."

Moderne Niedrigenergiehäuser, bei denen die Hausautomatisierung schon in der Planungsphase mitgedacht wurde, lassen sich zum Beispiel mit programmierter Beschattung noch effizienter betreiben. Für den Komfort, den die intelligent gesteuerte Haustechnik bietet, schwärmt eine Loxone-Kundin: "Ein Druck auf die "Gute Nacht Taste" im Wohnzimmer bewirkt, dass alle Geräte auf Standby gehen, automatisierte Türen verschlossen werden, die Alarmanlage anspringt, die Lichter im ganzen Haus gelöscht werden, Beschattungen runtergefahren werden und wir per Lichtsignal von offenstehenden Fenstern informiert werden. Das möchte ich nicht mehr missen."

Preislich bewegt sich die Firma aus Oberösterreich im Vergleich mit anderen Anbietern noch im erschwinglichen Segment mit Angeboten ab etwa 15.000 Euro für ein individuelles Smart Home. "Hausautomatisierung soll das Leben erleichtern und für den Häuselbauer kein Luxus sein, eher eine Selbstverständlichkeit werden wie ein Auto mit zwei Klimazonen", beschreibt Claudia Egginger die Vision von Loxone.

Zukunftsmusik?

Nach Einschätzung des deutschen IT-Branchenverbandes Bitcom ist das Smart Home immer noch das Zuhause von morgen. "Die Vernetzung von Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräten, Heizungsanlagen hat sich in Privathaushalten noch nicht so durchgesetzt wie die Prognosen versprochen haben", bilanzierte der Verband Ende Jänner. Auch nach Claudia Eggingers Schätzung nehmen die automatisierten Häuser "einen niedrigen einstelligen Prozentsatz unter den Neubauten ein. Aber die Nachfrage steigt." (Gabriela Poller-Hartig, derStandard.at, 24.2.2013)

  • Wireless LAN über das Stromnetz - eine Grundvoraussetzung für das funktionierende Smart Home.
    qgate

    Wireless LAN über das Stromnetz - eine Grundvoraussetzung für das funktionierende Smart Home.

  • Maßgeschneiderte Lösungen für mehr Sicherheit, Komfort, Energie- und Kostenersparnis soll ein Smart Home bieten.
    foto: loxone

    Maßgeschneiderte Lösungen für mehr Sicherheit, Komfort, Energie- und Kostenersparnis soll ein Smart Home bieten.

  • Die totale Vernetzung des Eigenheims - schöne Vorstellung oder doch schon Realität?
    © smarthome austria

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