Proteste in Pakistan nach Anschlag auf Schiiten

18. Februar 2013, 15:09
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Überfall auf Regierungsmitarbeiter forderte fünf Tote

Islamabad - Nach dem Anschlag auf Schiiten im Südwesten Pakistans von Samstagabend mit mehr als 80 Toten haben am Montag tausende Menschen für einen besseren Schutz der schiitischen Muslime im Land demonstriert. Als Zeichen des Protests weigerten sich die Frauen in der Region, die Opfer des Anschlags zu bestatten, in der Millionenstadt Karachi traten Beschäftigte in Streik. Bei einem Attentat in Peshawar wurden unterdessen mindestens fünf Menschen getötet.

Sitzblockade

In Quetta, der Hauptstadt der Provinz Baluchistan, starteten am Sonntagabend bis zu 4000 Frauen eine Sitzblockade, die sie am Montag im nahegelegenen Hazara fortsetzten, wie der Polizeichef von Quetta sagte. In Hazara waren bei dem Anschlag am Samstagabend mindestens 81 Menschen getötet und etwa 180 weitere verletzt worden. Die Frauen wollten die Toten erst bestatten, wenn die Behörden die Verantwortlichen des Anschlags zur Rechenschaft ziehen. Die Aktion hat in dem islamischen Land hohe Symbolkraft, da die Religion eine Beisetzung am Todestag oder am folgenden Tag verlangt.

Streik

In Hazara patrouillierten am Montag zudem bewaffnete Schiiten, wie ein AFP-Reporter berichtete. In Karachi im Süden des Landes traten Menschen aus Protest gegen die Angriffe auf Schiiten und zur Forderung nach besserem Schutz in Streik. Unter anderem beteiligten sich Fahrer des öffentlichen Nahverkehrs und Händler an der Aktion, wie Einwohner der Stadt berichteten. Mehrere Schulen blieben geschlossen. Bereits am Sonntag hatte es Solidaritätskundgebungen in Karachi sowie in Lahore und Muzaffarabad im Osten Pakistans gegeben.

Mehr als 80 Tote am Samstag

Bei dem Anschlag mit einer ferngezündeten Bombe waren am Samstagabend in Hazara mindestens 81 Menschen getötet und rund 180 weitere verletzt worden. Zu der Tat bekannte sich die militante Sunniten-Gruppe Lashkar-e-Jhangvi (LeJ). Diese hatte auch für den Doppelanschlag in Quetta im Januar mit über 90 Toten die Verantwortung übernommen. Der Anschlag war der schlimmste in den Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten in Pakistan. Auch nach dieser Attacke hatten Frauen die Beisetzung der Toten aus Protest verweigert.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch war 2012 "das blutigste Jahr" für die Schiiten in Pakistan. Mehr als 400 Anhänger der Glaubensrichtung seien getötet worden. Für 2013 liegt die Zahl der Getöteten schon jetzt bei fast 200.

In Peshawar attackierten Selbstmordattentäter am Montag das Büro eines hohen Beamten und töteten mindestens fünf Menschen. Die Angreifer hätten eine Handgranate gezündet und das Feuer eröffnet. Dabei seien zwei Polizisten getötet worden. Die Angreifer seien auf das Gelände gelangt, wo es eine Schießerei gegeben habe. Dann habe sich einer der Angreifer am Eingang des Gebäudes in die Luft gesprengt, der andere in einem Kontrollraum.

Ziel der Attacke seien der Vertreter der Zentralregierung in der Provinz Khyber, Mutahir Zeb Khan, und eine Parteizusammenkunft in seinem Büro gewesen. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben eines Krankenhaussprechers um vier Sicherheitskräfte und einen Zivilisten. Sieben weitere Menschen seien schwer verletzt worden. Zeb blieb unverletzt, sein Stellvertreter wurde hingegen verwundet. Insgesamt gab es mindestens zwölf Verletzte. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand, häufig verüben aber die Taliban solche Anschläge. Die Angreifer hätten Polizei-Uniformen getragen. (APA, 18.2.2013)

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