ÖVAG droht Klage aus Moskau

18. Februar 2013, 18:04
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Die russische Sberbank ist enttäuscht über den Zustand der Volksbanken International und überlegt, Schadenersatz vom Verkäufer ÖVAG zu fordern

Die russische Sberbank ist enttäuscht über den Zustand der Volksbanken International und überlegt, Schadenersatz vom Verkäufer ÖVAG zu fordern. Der Verlust der ÖVAG könnte höher als erwartet ausfallen.

 

Wien - Die russische Sberbank, die im Vorjahr die Ostbankenholding Volksbank International (VBI) gekauft hat, fühlt sich mit diesem Investment derzeit gar nicht wohl. Die größte russische Sparkasse prüft eine Schadenersatzklage gegen die teilverstaatlichte Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG; ihr gehörte die VBI mehrheitlich), weil sie über den Zustand der Ostbanken "enttäuscht" ist. Das verriet Sberbank-Chef German Gref am Montag in der Financial Times: "Wir haben gewisse Probleme mit der Qualität der Aktiva bei dem, was wir von der Volksbank gekauft haben und was ursprünglich deklariert worden war." Man erwarte " seriöse Gespräche mit den Bilanzprüfern der Bank, KPMG, und mit der Bank" . Die KPGM gab keine Stellungnahme ab, die ÖVAG weist die Vorwürfe " überrascht" zurück.

Der VBI-Verkauf war, mangels anderer Interessenten, ein wilder Ritt gewesen. Aus dem erhofften Erlös von 585 Mio. wurden 505 Mio. Euro: Die Sberbank ließ sich den VBI-Verlust 2011 per Kaufpreisminderung abgelten. Die Volksbanker realisierten beim Verkauf einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe; die rumänische Bank war so marod, dass sie den Österreichern blieb. Dem Vernehmen nach hat die Ex-VBI 2012 einen Verlust rund 200 Mio. Euro.

In der ÖVAG und ihren Eigentümerkreisen gibt man sich trotz der Warnsignale aus Moskau gelassen. Die Russen hätten den Kaufpreis für die " strategische Option, von der VBI aus in Osteuropa weiter zu wachsen" bezahlt, diese Strategie umzusetzen, sei angesichts der Marktlage aber eben schwierig. "Da haben jetzt ein paar Manager Druck, den VBI-Kauf in Moskau zu rechtfertigen", erklärt ein Banker die Sicht der Verkäufer. Es gebe eben Spannungen und Machtkämpfe unter den Managern in Wien und Moskau.

Den Vorwurf, den Käufern keinen reinen Wein eingeschenkt zu haben, weisen die Wiener Banker zurück: "Wir haben alles gezeigt." Die Prüfung der Bücher sei "extrem intensiv" gewesen, sagt ein Involvierter, rund hundert Russen hätten mitgearbeitet.

Höherer ÖVAG-Verlust

Zudem hätten die Käufer schon ein halbes Jahr vor Closing des Deals Beobachter zu den Vorstandssitzungen geschickt und drei Investmentbanken sowie Wirtschaftsprüfer Deloitte eingeschaltet. Auch gemeinsame Prüfungen (Joint Audits) habe es gegeben.

Die Käufer aus Moskau sehen das offensichtlich anders, konkrete Vorwürfe sind aber nicht zu eruieren: Die Sberbank Europe in Wien war am Montag nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Der Verbleib der rumänischen Volksbank in Wien bereitet den Bankern derzeit übrigens Kopfzerbrechen. Die ÖVAG-Bilanz für 2012 ist noch nicht fertig; die Wirtschaftsprüfer tragen sich (nicht zur Freude der Banker) mit dem Gedanken, die Beteiligung für die Bank in Bukarest, die erneut Verluste geschrieben hat, abzuwerten. Ebenso umstritten ist der Wertansatz des RZB-Anteils. Je nach Ausgang der Diskussion könnte der Verlust 2012 über den erwarteten 150 Mio. Euro liegen; unter 200 Mio. Euro dürfte er aber bleiben, wie es heißt. (Renate Graber, DER STANDARD, 19.2.2013)

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    Den Managern der russischen Sberbank liegt der Kauf der Volksbank International im Magen. Die im Vorjahr gekauften Ostbanken liefern nicht die erhofften Ergebnisse.

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