Daten-Flatrates werden Mobilfunkern zum Verhängnis

18. Februar 2013, 13:32
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Sinkende Sprachtelefonie kann durch Flatrates nicht kompensiert werden

Das Strategieberatungsunternehmen Booz & Company hat Untersuchungsergebnisse der Studie "Sprache ist tot – es leben die Daten" veröffentlicht, denen zufolge die mobile Sprachtelefonie bis 2016 zurückgehen wird. Die Umsätze der Mobilfunker werden demnach um fünf Prozent auf 628 Milliarden US-Dollar sinken. Der bisherige Wachstumstreiber könnte also mittelfristig für Mobilfunkbetreiber wegfallen.

Datenübertragung explodiert

Im Gegensatz dazu "explodieren" die Übertragungsraten mobiler Daten. Diese wachsen im Schnitt um 29 Prozent im Jahr. Mit diesem Trend könnten Mobilfunker in Zukunft die Umsatzverluste aus der Sprachtelefonie überkompensieren. Die Umsätze mit Apps und anderen Internetangeboten werden im Jahr 2013 zwar geschätzte 26 Milliarden Euro betragen, der Großteil dieses Geldes geht allerdings an Apple, Facebook oder Spielehersteller. Sollten Mobilfunker Kunden Qualität und Zuverlässigkeit dieser Dienste garantieren, könnten sie zukünftig auch mehr in diesem Bereich mitschneiden.

Belastungsgrenze in zwei Jahren

Klaus Hölbling, Telekommunikationsexperte und Partner im Wiener Büro bei Booz & Company sieht Engpässe bei der Verfügbarkeit mobiler Datendienste in Westeuropa in spätestens zwei Jahren. Diese seien aus heutiger Sicht unvermeidlich, "da die bestehenden Netze technisch gesehen dann an der Belastungsgrenze sind". Um das zu vermeiden, müssten Mobilfunker signifikante Investitionssummen für den Bandbreitenausbau bereitzustellen.

Daten-Flatrate als "historischer Fehler"

Die Daten-Flatrate sieht man bei Booz & Company als "historischen Fehler", denn das Gros des Datenverkehrs wird nur durch wenige User verursacht: Fünf Prozent der Nutzer würden immerhin 75 Prozent des Datenvolumens eines Anbieters nutzen. Mit LTE würden Netzbetreiber eine neue Chance bekommen, die Dominanz der Flatrate-Tarife aufzulösen und eine differenziertere Preispolitik einzuführen. Denkbar wären beispielsweise Aufschläge für schnelle und sichere Datenverbindungen. Mit diesen Einnahmen könnten Infrastruktur-Investments gestemmt werden. US-Anbieter würden bereits mit dieser Strategie gut fahren.

Neue Geschäftsfelder

Im Privatkundenbereich würden sich durch LTE neue Geschäftsfelder ergeben: Internetbasierte Dienstleistungen wie eHealth oder eLearning könnten den Mobilfunkern weitere Einnahmen bringen. Allein in Österreich rechnet man mit einer Versiebenfachung des Datenvolumens bis 2015. Der Ausbau würde in Österreich immer weiter forciert werden, die Hürden seien aber auch durch eine zu geringe Auswahl an verfügbaren LTE-Endgeräten gegeben. (red, derStandard.at, 18.2.2013)

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    Laut Booz & Company fehlt es noch an LTE-Endgeräten

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