VKI für Herkunftskennzeichnung als Konsequenz

18. Februar 2013, 12:49
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Konsumenten wollen wissen, woher die Rohstoffe kommen: "Mehrheit wünscht sich eine klare Bezeichnung"

Wien - Abschätzen lässt sich das Ausmaß des Pferdefleischskandals auch vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) noch nicht. Von Verbraucherseite lässt sich aber auf jeden Fall eines feststellen: "Die Mehrheit wünscht sich eine klare Bezeichnung von Lebensmitteln. Sechs von zehn Befragten wollten dabei nicht nur wissen, wo die Nahrungsmittel produziert wurden, sondern auch woher die Rohstoffe kommen", sagte Birgit Beck vom Bereich "Untersuchungen".

Sie verwies in diesem Zusammenhang auf eine aktuelle Umfrage, bei der im Jänner von der Europäischen Konsumentenorganisation (BEUC) in vier EU-Ländern - inklusive Österreich - die Bedeutung der Lebensmittelkennzeichnung beim Kauf von Nahrungsmitteln erhoben wurde. Auch wenn bisher beim Pferdefleischskandal höchstwahrscheinlich keine gesundheitsschädlichen Aspekte ins Spiel gekommen sind, sollten "Verbraucher nicht in die Irre geleitet werden."

Für Beck kann der Fleischskandal als positive Konsequenz jedenfalls dazu führen, dass es endlich genauere Kennzeichnungen für weiterverarbeitete Lebensmittel geben wird. Konsumenten, die ihren bereits gekauften Fertigprodukten misstrauen, empfiehlt Beck im Zweifel eventuell noch einige Tag abzuwarten, bis dann alle gezogenen Proben kontrolliert wurden: "Dass noch etwas gefunden wird, ist durchaus möglich, dass normale Fleischwaren betroffen sind, ist vom jetzigen Standpunkt aber eher auszuschließen."

Transportwege

Die Kennzeichnungspflicht besteht jetzt etwa im Falle von Rindfleisch ja nur, wenn es ein unverarbeitetes Produkt ist, so Beck. So soll es nicht bleiben: "Wenn man im Geschäft sehen kann, woher das Fleisch für die Lasagne kommt, kann man als Konsument selbst entscheiden. Momentan wird man da aber noch im Regen stehen gelassen." Grundsätzlich sei es beim Pferdefleisch noch ungeklärt, ob es tatsächlich soweit "gereist" ist, oder ob dies nur auf dem Papier geschehen ist, gab Beck hinsichtlich der Transportwege zu bedenken.

Lückenlose Rückverfolgbarkeit nach dem EU-Prinzip "One Step Forward-One Step Back" sei in Hinblick auf die Zutaten zu hinterfragen: "Wenn ich nur weiß, wer mein Vorlieferant ist, dann ist das zu wenig. Es braucht mehr Information über die gesamte Kette. Dann wären Verschleierungstaktiken wie in den jetzigen Fällen auch viel schwieriger möglich." In der EU gäbe es auch eine Tendenz zu verstärkten Eigenkontrolle der Hersteller, was zwar zu begrüßen, aber nicht ausreichend sei. Weiterhin seien auch die Behörden gefragt, doch in Europa würden die finanziellen Mittel für Kontrollen zurück gehen. Die Pferdefleischanalysen von Proben wären weder besonders schwierig, noch besonders teuer.

Obgleich beim Pferdefleischskandal Lasagne und Tortellini von Discountern betroffen waren, gibt es vonseiten des VKI keinen Anlass zu glauben, dass man hier als Konsument "gefährdeter" wäre. "Global lässt sich so etwas überhaupt nicht sagen. Unsere Tests in den vergangenen Zeiten brachten Eigenmarken, also Billigprodukte, genau so an die Wertungsspitze wie Markenprodukte. Grundsätzlich gilt aber: 'Je mehr etwas verarbeitet wird, umso undurchsichtiger wird es für den Konsumenten'." Wer etwa im Falle einer Lasagne Fleisch, Nudeln und Tomaten extra kauft, ist bezüglich der Herkunft der Produkte eher informiert, als wenn das fertige Tiefkühlprodukt konsumiert wird. (APA, 18.2.2013)

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