Google und Co. bringen DRM für HTML5 auf den Weg

18. Februar 2013, 10:45
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Umstrittener Entwurf erhält auch Unterstützung von der BBC

Unter dem Titel "Encrypted Media Extensions" haben Microsoft, Google und Streaming-Anbieter Netflix dem Webstandardisierungs-Konsortium W3C einen Entwurf vorgelegt, mit dem die Implementation von digitalem Rechtemanagement (DRM) ermöglicht werden soll. Das sorgt für Bedenken und Kritik, unter anderem in England, da auch die BBC das Vorhaben unterstützt.

Schnittstellen für Contentverschlüsselung

Der Vorschlag sieht die Schaffung von Schnittstellen vor, mit welchen der Browser an Contentverschlüsselungssysteme angeschlossen werden kann. Auch wenn das Papier grundsätzlich festhält, dass zu seiner Umsetzung DRM keine Bedingung ist, wird es, so Wired, doch weithin als Schritt in genau diese Richtung verstanden.

BBC will mit Implementierung zuwarten

Die BBC rechtfertigt ihre Unterstützung damit, dass "die Notwendigkeit für Content-Schutz von online gestreamten Videos auf absehbare Zeit nicht abnehmen wird". Daher ist man für die Standardisierung von möglichst vieler der notwendigen Mechanismen. Einsetzen möchte man solche Methoden etwa, um Inhalte gezielt auf bestimmten Plattformen verfügbar zu machen.

Das soll aber erst geschehen, wenn diese weit genug entwickelt sind, dass deren Umgehung strafrechtlich verfolgt werden kann.

Gefahr für Open Source-Browser?

Abgewatscht wird die öffentlich-rechtliche TV-Station dafür unter anderem vom Open Source-Aktivisten Glynn Moody bei ComputerWorld, denn immerhin hat sich der Sender selbst zur Implementierung offener Standards bekannt. "Die BBC will die Macht, deinem Computer zu sagen, dass er deine Eingabe ignorieren soll", kritisiert er. "Wie rechtfertigt die BBC die Verwendung von verpflichtenden Gebühren von mir und anderen Zahlern, um uns von Inhalten auszusperren, für die wir bezahlt haben?"

Konkrete Befürchtungen äußert Cory Doctorow bei BoingBoing. Die Einführung von DRM-Mechanismen in HTML5 würde seiner Ansicht nach einen "Bann" von Open Source Software nach sich ziehen, da man etwa über die Änderung des Quellcodes von Browsern wie Firefox diese Sperren einfach umschiffen könnte.

Er sieht im Support für den Vorschlag einer "komplett durchgeknallten Gruppe von Unterhaltungsunternehmen" einen "Verrat" des öffentlichen Auftrags des Senders. (red, derStandard.at, 18.02.2013)

  • Ein neuer Vorstoß von Google, Microsoft und Netflix stößt auf Widerstand von Open Source-Experten.
    foto: derstandard.at

    Ein neuer Vorstoß von Google, Microsoft und Netflix stößt auf Widerstand von Open Source-Experten.

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