Verschwiegenheit mit System: Die Medienpolitik des Vatikan

18. Februar 2013, 10:11
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Trotz Twitter, Youtube-Kanal und Fernsehstationen zeichnet sich der Heilige Stuhl nicht durch freizügige Information aus

Dass sich der Vatikan nicht gerade durch eine freizügige Informationspolitik auszeichnet, können selbst die stärksten Verteidiger der katholischen Kirche nicht leugnen. Gegen das Misstrauen gegenüber den Medien und für eine offene, ehrliche Kommunikation treten seit Jahren mehrere Bischöfe und Kardinäle ein. Ihrer Ansicht nach müssten auch die Kirchenführer lernen, auf Fragen einzugehen, Interviews zu geben und in sachgemäßer Form mit Rundfunk und Fernsehen umzugehen. Eine tief greifende Änderung in der Medienpolitik des Heiligen Stuhls wird auch von der Öffentlichkeit mit immer stärkerem Nachdruck gefordert.

Vatikan-Korrespondent zu sein, das ist nicht immer ein aufregender Job. Oft können die akkreditierten Journalisten nur wiedergeben, was die Pressestelle ihnen vorgibt. Schließlich ist der Heilige Stuhl nicht der Ort, wo man einen Scoop landen oder ein Exklusivinterview machen kann. Pressechef Pater Federico Lombardi hält regelmäßig Konferenzen ab, um die Journalisten aus verlässlicher Quelle zu informieren. Öffentliche Versammlungen können sie per Liveschaltung von hier aus verfolgen. Und der Vatikan liefert auch die Übersetzung in viele Sprachen gleich mit.

Journalisten im Vatikan

Informationen vom Heiligen Stuhl außerhalb der geregelten Bahnen zu bekommen, ist auch für die erfahrensten Vatikan-Reporter oft reine Glückssache. Die eigenen Quellen pflegen und bloß nicht negativ auffallen, ist ihre Devise. Und das gilt vor allem für die Journalisten, die im Pressesaal des Vatikans akkreditiert sind. Darüber wacht neben Pressesprecher Lombardi sein Stellvertreter Pater Ciro Benedettini. Beide kontrollieren streng, was nach außen dringt. Unendlich sind die Geschichten, die die Journalisten von der Verschwiegenheit des Vatikans mit seinen seltsam undurchdringlichen PR-Mechanismen erzählen.

Der Vatikan informiert ausschließlich über streng geregelte Kanäle, es ist praktisch unmöglich, auf inoffiziellen Wegen Stellungnahmen und Informationen über bestimmte Themen zu erhalten, wie die jüngsten Kindermissbrauchs-Skandale in der Kirche und die sogenannte Vatileaks-Affäre bewiesen haben. Von lebenswichtiger Bedeutung für einen Vatikan-Journalisten ist die offizielle Website des Heiligen Stuhls http://www.vatican.va). Bei monatlich Millionen Besuchern aus 150 Ländern zählt sie heute zu den weltweit am häufigsten besuchten Internetseiten. Die offiziellen Dokumente des Vatikans werden einmal jährlich im Gesetzblatt "Acta Apostolicae Sedis" (AAS) veröffentlicht. Alle Vatikan-Verlautbarungen erscheinen hier in lateinischer Sprache. Das Amtsblatt wurde 1908 von Pius X. eingeführt.

"Der Römische Beobachter"

Sprachrohr des Vatikans ist der "Osservatore Romano" ("Der Römische Beobachter"): Die Zeitung wurde am 1. Juli 1861 gegründet, wenige Monate nach der Ausrufung des Königreichs Italien. Das Blatt erscheint heute in sieben Sprachen, auf Deutsch seit 1971. Es gibt Berichte über die Predigten des Papstes, die Seligsprechungen, Feierlichkeiten im Vatikan und Reiseberichte aus der Ewigen Stadt. Kaum eine Seite erscheint ohne ein Foto des Heiligen Vaters. Hinzu kontrolliert der Vatikan die Tageszeitung "L'Avvenire", Sprachrohr der italienischen Bischofskonferenz, sowie zahlreiche katholische Wochenmagazine, darunter "Famiglia Cristiana". Mit einer Auflage von 850.000 Stück ist "Famiglia Cristiana" das meist verbreitete Magazin in Italien.

Das bekannteste der vatikanischen Medien ist Radio Vatikan. Es wurde 1931 als Resultat der Aussöhnung zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien gegründet. Seitdem stellt der Jesuitenorden die führenden Direktoren. Radio Vatikan sendet in 47 Sprachen, darunter so exotischen wie Amharisch und Malayalam. Radio Vatikan sieht sich selbst als "Sender des Papstes" mit dem Auftrag, die Lehre der katholischen Kirche zu verbreiten, über die Tätigkeiten des Vatikans zu berichten, das Leben der Katholiken in aller Welt widerzuspiegeln, und die Fragen der Zeit aus dem Glauben heraus zu beantworten. Er lastet schwer auf den Vatikan-Kassen. Der Radiosender ist mit zwanzig Millionen Euro Jahresetat der größte Haushaltsposten des Heiligen Stuhls.

Das Fernsehzentrum des Vatikans, CTV (Centro Televisivo Vaticano), wurde 1983 eingerichtet und ist seit 1996 voll unter Kontrolle des Heiligen Stuhls. Hauptziel des CTV ist es, zur universalen Verkündigung des Evangeliums beizutragen, indem mit Fernsehbildern die Pastoralmission des Papstes und die Handlungen des Heiligen Stuhls dokumentiert werden. Die wichtigsten Dienstleistungen, die das CTV anbietet, sind: Direktübertragungen, tägliche Berichterstattung, Produktionen und Archivierung. Der Vatikan hat eine enge Partnerschaft mit Italiens öffentlich-rechtlicher TV-Anstalt RAI, die exklusiv die wichtigsten Ereignisse und Feierlichkeiten im Vatikan überträgt.

Neue Medien

Der Heilige Stuhl hat sich in den letzten Jahren auch den neuen Medien öffnen müssen. Die Internet-Plattform www.news.va liefert Informationen über den Vatikan in mehreren Sprachen. Das Portal verfügt gegenwärtig nicht über eine eigene Redaktion, sondern speist sich aus Quellen wie Meldungen der Missionspresse-Agentur "Fides" und des Nachrichtendienstes VIS (Vatican Information Service). Das Portal www.news.va hat auch eine eigene Facebookseite. Der Youtube-Kanal "www.youtube.com/vaticanit" bietet Nachrichtenbeiträge über Aktivitäten des Papstes und Ereignisse im Vatikan an. Der Zweck ist, eine verlässliche und kontinuierliche Quelle über kirchliche Vorgänge zu schaffen, so Pressesprecher Lombardi.

Im Vatikan ist kürzlich auch Twitter-Fieber ausgebrochen. Benedikt XVI. hat mit seinen neun Sprach-Accounts inzwischen über 2,6 Millionen Followers. Seit Anfang Dezember verschickt der Papst unter "#pontifex" Kurznachrichten auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Polnisch und Arabisch. Seit Kurzem twittert er auch auf Lateinisch. (APA, 18.2.2013)

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