Das Mädchen und der Wolf

17. Februar 2013, 20:43
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Statt zu fragen, wo der pathologische Frauenhass herkommt, wird so getan, als wäre man im Märchen

Es beginnt wie im Märchen: ein blondes Mädchen, allein in einer Hütte am See, mitten im finsteren Wald. Kurz hält das Mädchen noch stumme Zwiesprache mit einem Raben, und schon - man hat es ja geahnt, es wird kein schönes Märchen - bricht ein böser, schwarzer Mann in ihr Häuschen ein.

"Der Mörder unter uns" heißt die Folge der Krimi-Reihe "Unter anderen Umständen", Sonntag auf ZDF neo und Montag, 20.15 Uhr, auf ZDF. Mord ist zu wenig gesagt: Kommissarin Jana Winter (Natalia Wörner) muss sich am Tatort erst einmal übergeben. Der Körper von Sarah Rosenfels (Jenny Kruse) ist voller Stichwunden, sie wurde gequält und vergewaltigt.

Im Dorf gibt es nun einen Mann, der eben aus der Haft entlassen wurde. Ein Vergewaltiger namens Ulrich Wolf (Robert Gallinowski) - wie der böse Wolf im Märchen. In diesem Fall scheint er unschuldig, doch die rechtschaffenen Familienväter im Dorf machen mobil gegen ihn. Einfühlsam und differenziert zeigt der Film, wie aus Schuld Einsamkeit wird, aus Angst Selbstjustiz.

Anders beim Thema Gewalt gegen Frauen. "Dieser Mann hasst Frauen", sagt der Gerichtsmediziner, später tauchen illegale Pornos auf, mit Folter- und Vergewaltigungsszenen. Zwar heißt es, der Mörder sei "unter uns", inwiefern er jedoch tatsächlich Teil der Gesellschaft oder von ihr geprägt ist, dem wird kaum nachgegangen. Statt zu fragen, wo der pathologische Frauenhass, das Bedürfnis, Macht über jemanden auszuüben, herkommen, wird so getan, als wäre man im Märchen und das Schlechte fiele einfach vom Himmel: "Niemand weiß, woher das Böse kommt und wann es wieder geht." Wenn niemand fragt, gibt es eben auch keine Antworten. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 18.2.2013)

  • "Niemand weiß, woher das Böse kommt und wann es wieder geht."
    foto: zdf

    "Niemand weiß, woher das Böse kommt und wann es wieder geht."

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