Showdown unter dem Stern

17. Februar 2013, 19:42
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Glanzstück von Thomas Steyaert und Rául Maia: "The Ballet of Albertina Macchiavello, Johnny Mclay and Ignatz van Stereo"

Wien - Diese Figuren versuchen ein Miteinander ohne großes Theater, dafür aber mit ausgesuchten Bewegungskonstellationen. Auf den ersten Blick ist The Ballet of Albertina Macchiavello, Johnny Mclay and Ignatz van Stereo von Thomas Steyaert und Raúl Maia zusammen mit der Tänzerin Varinia Canto Vila, zu sehen im Wien Wuk, ein Mysterium.

Wer sind diese drei, die zu Beginn des Stücks warm gekleidet und mit Rucksäcken ins Halbdunkel der Bühne spazieren? Sie müssten Charaktere eines Dramas oder Handlungsballetts sein. Schließlich tragen sie ja Namen - das ist unüblich im zeitgenössischen Tanz. Aber es gibt kein Drama, keine Handlung, kein Ballett. Und das, stellt sich im Verlauf dieser Choreografie heraus, ist auch der springende Punkt: Es geht um eine streng strukturierte Chaotisierung von Assoziationen und potenziellen Zusammenhängen. Und um ein Showdown des postmodernen Referenzkults.

Bauchfreiheit

Erst verknoten sich die drei Pseudo-Charaktere unter dem Schein einer einzelnen Deckenlampe ineinander, um danach scheinbar ziellos auf der Bühne umherzuirren. Ihre Bewegungen beginnen einzuknicken, sich zu verspannen, auszuufern. Ohne innezuhalten, legen Macchiavello, Mclay und van Stereo unter einem Scheinwerferbogen ihre Kleider ab, bis sie in bauchfreien Zweiteilern aus anliegenden Shirts und Hosen dastehen. In blauen, braunen und weißen Abwandlungen des Leotard also, wie er oft im Ballett und Modern Dance getragen wird.

Offensichtlich ist dieses "Ballet" eine Abwandlung von Steyaerts und Maias Vorgängerarbeit The Ballet of Sam Hogue und Augustus Benjamin: eine Verfeinerung mit reduziertem Zeichenspektrum und verzerrter Symbolik. Darin wird Bedeutungsschwere abgebaut und eine poetische Realität hergestellt. Zu sehen ist also kein Mysterium, sondern ein Seilakt auf dem Satz, den Nietzsche seinen Zarathustra predigen lässt: " Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können."

Von diesem Stern geleitet, ziehen sich die Tänzer unter den Tanzboden zurück und verwandeln ihn in ein schwarzes Gebirge, das sich aus einem Durcheinander von abgelegten Kleidungsstücken und Rucksäcken, aber zugleich auch verlassenen Stereotypen und Fiktionen erhebt. Ihr elaborierter Sound und das brillante Lichtdesign von Bas Devos machen diese reichlich verunsichernde Arbeit zu einem echten Glanzstück.   (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 18.2.2013)

Bis 18. 2.

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