Humoriger Verstellungskrieg

17. Februar 2013, 19:14
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Premiere von Gioachino Rossinis "Le Comte Ory" : Die Inszenierung von Leiser/Caurier sorgt für Heiterkeit; Pretty Yende, für Cecilia Bartoli eingesprungen, überzeugt durch vokale Leichtigkeit

Wien - Rossinis Le Comte Ory lässt sich als heiterer Opernmix aus Mozarts Così fan tutte und Don Giovanni verstehen: Graf Ory narrt die tiefgläubigen Bewohner eines französischen Dorfes der 1960er-Jahre im Gewand eines wunderheilenden Geistlichen. Unter der religiösen Uniform des "Blinden" steht allerdings etwas bereit, Not lindernde Weisheiten höchst körperlich nahezubringen.

Von der geistlichen Hilfsenergie wird auch reichlich Gebrauch gemacht: Es wackelt der Wohnwagen des Grafen Ory vor sexualtherapeutischen Instruktionen; jedenfalls verlassen zahllose Dorfdamen den innen quasi freudenhausartig-grell eingerichteten, mobilen Therapieraum (Bühnenbild: Christian Fenoullat) mit einer gewissen Erleichterung.

Weil die männliche Seite des Dorfes im Algerienkrieg beschäftigt ist, herrscht da ein gewisser Notstand, was Zärtlichkeit anbelangt. Ein Notstand, der Konflikte mit dem Enthaltsamkeitsgelübde bewirkt. Auch bei Gräfin Adele: Eine rätselhafte Melancholie umweht die Einsame, und auch ihr hilft Ory, wobei: Nicht er selbst darf lindernd seine Standfestigkeit erproben; es ist der junge Isolier (solide Regula Mühlemann), was wiederum Ory provoziert. Er entwirft einen frischen Plan, die Gräfin doch noch zu erobern; mit Saufkumpanen wird er das Domizil Adeles heimsuchen - nun in Nonnengewändern.

Das Regieduo Moshe Leiser und Patrice Caurier hatte zu diesem Zeitpunkt schon seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, mit präzis-leichter Hand sowohl die Massen- wie auch die intimen Slapstickszenen grell in Schwung zu halten. In jener Szene, da ein paar Halunken im Damengewand nur notdürftig ihren Hang zu kulinarischen Exzessen verhüllen, erklommen Leiser/Caurier aber den Gipfel der Situationskomik.

Auch deshalb war längst vergessen, dass Cecilia Bartoli aus Krankheitsgründen absagen musste. Es zeigte indes auch die sehr kurzfristig aus New York eingeflogene Pretty Yende, dass sie die Adele-Partie mit Leichtigkeit und Geläufigkeit beherrscht. Ein würdiger Ersatz für Bartoli, an dessen Seite vokal Solides komisch agierte: Besonders Lawrence Brownlee (mit schöner, etwas leichter Stimme) ist jenes Komödienzentrum dieses Verstellungskriegs zwischen Treue und Begehren, ohne das nichts läuft.

Hilfreich auch der Arnold Schoenberg Chor; humorig Pietro Spagnoli (Raimbaud), Liliana Nikiteanu (Ragonde) und Peter Kalman (Gouverneur). Jean-Christophe Spinosi animierte das Ensemble Matheus zu solider Umsetzung aller rhythmischen Pointen, aller Crescendi und Accelerandi. Man hörte all das, was Rossinis Musik Leben verleiht, in gediegener Form. Applaus für alle; zu Recht ein besonderer für Pretty Yende.   (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 18.2.2013)

18., 20., 23., 25. und 27. 2., 19.00

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    Für ein Abenteuerchen wird der Herr gerne auch zur Nonne: Lawrence Brownlee als Graf Ory und Pretty Yende als höchst begehrte Gräfin Adele.

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