Eine ganz geniale WM

Kolumne17. Februar 2013, 18:43
2 Postings

Die Sportsprache leidet hauptsächlich darunter, dass es viel zu wenig urgute Superlative gibt, weshalb sich Kommentatoren und Ko-Kommentatoren stets auf die Suche nach noch superlativeren Superlativen machen müssen. Schladming verhalf diesbezüglich einem schon alten Eigenschaftswort zum inflationären Durchbruch.

Hans Knauß (der mit dem grenzgenialen Nahrungsergänzungsmittel) findet etwa die Pisten nicht pickelhart oder wenigstens gut präpariert, sondern, ja: genial. Alexandra Meissnitzer dito das Wetter, die Kurssetzung, Tina Maze und die anderen. Und wenn die Ohren nicht getrogen haben, fand Michaela Kirchgasser ihre Slalomsilberne durchaus " grenzgenial", also genau so, wie Präsident Schröcksnadel die gesamte WM.

Die flinke Rede führt einen tief (oder hoch) in die Weltliteratur. Und lehrt uns, dass schon vor hundert Jahren, mitten in Kakanien, der Sport und das Genie Geschwister waren. Nur "Der neue Geist fühlte sich noch nicht ganz sicher" damals, da entfiel auf "zehn geniale Entdecker, Tenöre oder Schriftsteller" höchstens "ein genialer Centrehalf". Robert Musil schmunzelte noch über "das geniale Rennpferd". Spätestens im grenzgenialen Schladming hat der neue Geist einen genialen Tritt gefasst. Oder ausgefasst. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 18.02.2013)

Share if you care.