Kosovo: Ein unfertiger Staat

17. Februar 2013, 18:28
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Die Verwaltung bleibt schwach, auch außenpolitisch ist noch einiges unklar

Auf der Mutter-Theresa-Straße im Herzen Prishtinas liefen am Sonntag, als der junge Staat den fünften Jahrestag seiner Unabhängigkeit feierte, Kinder mit kosovarischen, albanischen, US- und EU-Flaggen herum. Die Auswahl der staatlichen Embleme spiegelt ganz gut den Zustand des Kosovo wider. Das Land ist nach wie vor nur teilweise souverän, sucht nach seiner Identität und ist stark von internationalen Unterstützern abhängig.

So wurden zwar kosovarische Ministerien und Behörden aufgebaut, doch die Verwaltung bleibt schwach und steht oft nicht im Dienst der Bürger, sondern der Parteien. Und der multinationale Charakter des Staates, der in der Verfassung festgeschrieben ist, wird noch immer durch ethnisch motivierte Gewalt konterkariert. Der Lackmustest für den Kosovo ist aber, ob es gelingen wird, den mehrheitlich serbisch besiedelten Norden zu integrieren - denn damit wären auch die Staatsgrenzen klar definiert.

Aber auch außenpolitisch handelt es sich um einen "unfertigen" Staat. 97 von 193 UN-Mitgliedsstaaten haben den Kosovo zwar anerkannt, es fehlt aber die Mitgliedschaft in der Uno. Ein Hindernis für mehr Klarheit ist ausgerechnet die Uneinigkeit der EU. Fünf Mitgliedsstaaten wollen aus Furcht vor Sezessionsbestrebungen eigener Minderheiten dem jüngsten Staat Europas nicht ihren Segen geben. Das ist angesichts der hunderten Millionen Euro, die von EU-Staaten zu seinem Aufbau investiert werden, abstrus. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 18.2.2013)

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