"Ein Tag voll großer Freude"

17. Februar 2013, 18:33
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Marcel Hirscher gewinnt Slalomgold in einem furiosen Finale und damit seine dritte WM-Medaille. Silber für Neureuther, Bronze für Matt

Schladming - Er hat es tatsächlich gepackt. Und nachdem er es gepackt und im Zielraum überschwänglich einen Bauchfleck hingelegt hatte, sagte Marcel Hirscher: "Mir haben sie erklärt, das schaffen nur ganz Große. Jetzt tu ich mir wirklich schwer, das zu beschreiben."

Der 23-jährige Salzburger, der im Vorjahr auf der Planai den Nachtslalom gewonnen hatte, sich später beim Weltcupfinale die große Kristallkugel gesichert hatte, der seinen ersten WM-Auftritt in Schladming dazu genützt hatte, das ÖSV-Team zu Mannschaftsgold zu führen, der im Riesenslalom hinter dem nicht nur einschlägigen Meister Ted Ligety Silber gewann, behielt auch beim finalen Auftritt als Halbzeitführender die Nerven.

"Ich weiß gar nicht, wie ich mich so ablenken konnte. Oft will ich das nicht mehr probieren. Die Stimmung war sensationell", kommentierte der siegreiche Topfavorit, nachdem er den führenden Deutschen Felix Neureuther (28) vor rund 40.000 Zuschauern im Planai-Stadion noch abgefangen und für Österreichs einziges Einzelgold bei der Schladminger WM gesorgt hatte.

Hirscher, der über sich hatte lesen müssen, dass er dazu auserkoren war, der Retter der Nation zu werden, versuchte sich noch auszumalen, "was passiert wäre, wenn ich ausgeschieden wäre". Aber das wollte er sich dann auch wieder nicht vorstellen. Jedenfalls habe er alles riskiert, " denn wenn ich das nicht getan hätte, wäre ich Vierter geworden. Da scheide ich lieber mit bester Zwischenzeit aus." Es schaut ganz danach aus, dass Hirscher, der im Gesamtweltcup deutlich führt, seinen Titel als Österreichs Sportler des Jahres verteidigt.

Der vergönnte Sieg

"Ein Tag voll großer Freude", merkte Trainervater Ferdinand Hirscher an. " Marcel ist ein absolut verdienter Sieger. Da kann man nur den Hut ziehen. Ich habe die Atmosphäre genossen, auch als er mich geschlagen hat", sagte Neureuther, der natürlich auch gleich wusste: "Klar will man nicht so gerne, dass ein Piefke in Österreich Weltmeister wird." Auf ihm, Neureuther, lastete auch kein kleiner Druck, dieser seiner ersten Einzel-Medaille bei einem Großereignis war er seit Jahren nachgefahren. " Schön", sagt Hirscher, "dass sich jeder auch über den Erfolg des anderen freuen kann. Wir alle wissen, was dahintersteckt."

Bronze gewann Mario Matt, der 33-jährige Tiroler aus Flirsch am Arlberg, der sowohl 2001 in St. Anton als auch 2007 in Aare den WM-Titel im Slalom geholt hatte.

Das ÖSV-Team erfüllte zwar den Auftrag seines Präsidenten Peter Schröcksnadel, zwischen sechs und acht Medaillen zu gewinnen, aber insgesamt betrachtet hat es schon bessere Zeiten gesehen. Die Österreicher sammelten zwar mit acht Stück die meisten Trophäen, doch in der Medaillenwertung wurden sie Zweiter hinter den USA, von deren fünf Medaillen vier aus Gold bestehen.

Die Markenwertung gewann Head mit fünf Goldenen (Ligety drei, Maria Höfl-Riesch und Aksel Lund Svindal je eine) vor Rossignol (Marion Rolland, Tessa Worley) und Atomic (Hirscher, Mikaela Shiffrin) mit je zwei Titeln sowie Stöckli (Tina Maze).

ÖSV-Cheftrainer Mathias Berthold: "Wir haben uns nicht ablenken lassen durch die lästigen Zurufe von außen. Wir haben unser Ding durchgezogen." Dazu muss man auch sagen, dass Hirscher sein Ding zuletzt abseits der Mannschaft durchgezogen hat und nicht im WM-Quartier, sondern daheim in Annaberg-Lungötz übernachtete. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 18.02.2013)

Ergebnis: Slalom Herren

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    "Lieber ausscheiden als Vierter werden", sagte Marcel Hirscher zu sich selbst und wurde Erster.

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    Das letzte Siegerbild von Schladming war aus heimischer Sicht nicht das übelste: Marcel Hirscher, flankiert von Felix Neureuther und Mario Matt.

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