Frankreich: Homo-Adoption theoretisch möglich

17. Februar 2013, 18:16
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In Großbritannien dürfen Homosexuelle bereits seit 2004 Kinder adoptieren

Das Ja der französischen Nationalversammlung am vergangenen Dienstag zur Homo-Ehe führt dazu, dass gleichgeschlechtliche Paare gleiche Adoptionsrechte wie Heterosexuelle haben. Dies gilt sowohl für Kinder des einen Partners als auch für die gewöhnliche Adoption.

Letztere dürfte aber eher "symbolisch" bleiben, meint die Zeitung Le Monde. Grund: Die generelle Nachfrage für Adoptionen ist in Frankreich zu groß. Derzeit haben in Frankreich 25.000 Hetero-Paare oder Ledige die Genehmigung zur Adoption erhalten. So viele Kinder stehen aber gar nicht zur Verfügung: Pro Jahr werden nur noch 2000 aus dem Ausland, dazu 750 in Frankreich adoptiert. Vor zehn Jahren waren in Frankreich immerhin noch 4000 Kinder adoptiert worden. Ursachen dafür sind regionale Probleme wie in Mali, Haiti oder China.

Homosexuelle drohen zumindest in einer ersten Phase leer auszugehen. " Die Dossiers der Homo-Paare werden zuunterst im Stapel bleiben", meint Alexandre Urvicz von der Vereinigung von Homo-Familien. In der Hierarchie kämen wohl auch in Zukunft zuerst die Heteros, dann die Singles - und erst am Schluss schwule Paare; deshalb habe zum Beispiel in Belgien, wo die Homo-Ehe seit 2006 gültig ist, kein einziges Homo-Paar ein Kind adoptieren können.

Urvicz meint zudem, dass die Zahl der Adoptionen wegen der Homo-Ehe sogar noch stärker als bisher zurückgehen werde: "Länder wie Brasilien oder afrikanische Staaten werden sich sträuben, uns Kinder anzuvertrauen."

Kampagnen der Kirchen

Anfang Februar stimmte auch das britische Unterhaus für die Einführung der Homo-Ehe. Obwohl diese endgültige Gleichstellung in der Bevölkerung kaum umstritten ist, war es im Vorfeld dennoch zu einer großen Debatte gekommen. Die Kirchen, allen voran die römisch-katholische, hatten in monatelangen Kampagnen gegen die Homo-Ehe opponiert. Die Labour-Partei und die Liberaldemokraten sprachen sich mit großer Mehrheit für die Gleichstellung aus.

Durch die Konservative Partei ging ein tiefer Riss. Deren Chef, der Premierminister David Cameron, hatte das Gesetz auf den Weg gebracht, nicht zuletzt, um zu demonstrieren, wie weit er seine Partei schon modernisiert hat. Das Vorhaben ging daneben. Von den 303 konservativen Abgeordneten stimmten nur 127 für diese Regierungsinitiative, 136 stimmten dagegen.

Dabei war die Einführung der Homo-Ehe nicht viel mehr als ein symbolischer Akt. Denn schon seit 2004 gibt es die gesetzlich verankerte " zivile Partnerschaft", mit der gleichgeschlechtliche Paare alle jene Rechte bekommen, die auch heterosexuelle Ehepartner haben - darunter auch das volle Adoptionsrecht. (brä, witt, DER STANDARD, 18.2.2013)

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