G-20-Treffen: Ablenkungsmanöver

Kommentar17. Februar 2013, 18:16
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Die G-20 haben kühlen Kopf bewahrt und beschlossen, den Währungskrieg abzusagen

Die Begleittöne waren martialisch und die Zutaten geeignet, im Vorfeld des Treffens der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) in Moskau für eine explosive Mischung zu sorgen. Als ob es nicht reichte, dass die Wirtschaft in weiten Teilen der Welt lahmt, die Arbeitslosigkeit nach oben schießt und die Zocker, die nach allgemeinem Dafürhalten Hauptschuld an den deprimierenden Zustände tragen, wieder Party feiern - kurzfristig gab es ein neues Konfliktfeld: die Währungen.

"Gab" deshalb, weil die G-20 kühlen Kopf bewahrt und beschlossen haben, den Währungskrieg abzusagen. Das ist eine gute Nachricht. Ein Währungskrieg würde nicht nur Japan schaden, das durch die Yen-Abwertung Auslöser der jüngsten Irritation ist. Durch Marktabschottung, zu der ein Währungskrieg unweigerlich führen würde, wäre ein Wirtschaftsaufschwung in Europa, USA und vielen anderen Ländern wohl auf das Jahr Schnee verschoben.

Andererseits - die ausgerufene Ruhe an der Währungsfront wird nicht lange anhalten. Wenn ein Land wie zuletzt Japan den Kurs seiner Währung abstürzen lässt, um eigenen Unternehmen auf den Exportmärkten zu helfen, weckt das Emotionen bei den anderen. Und man kann von möglicherweise wichtigeren Dingen ablenken, etwa der noch immer nicht realisierten Bändigung der Finanzmärkte. Abgeblasen heißt in diesem Fall leider nicht Schluss, aus, Ende des Währungskriegs, sondern bestenfalls Aufschub. (Günther Strobl, DER STANDARD, 18.2.2013)

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