Ringen um maßlose Manager-Gehälter

17. Februar 2013, 18:01
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Deutsche Gewerkschafter klagen über die Selbstbedienungsmentalität in Führungsetagen. London wehrt sich gegen die Deckelung der Boni

Berlin/Brüssel - Keiner könne ihm erzählen, dass in einem Unternehmen die Arbeit des Chefs 300-mal mehr wert sei als jene der anderen Beschäftigten, sagte Michael Sommer. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds hält die Managergehälter für überzogen. "Es ist kein Maß mehr erkennbar", sagte er der Passauer Neuen Presse am Wochenende, und es sei Zeit für mehr Transparenz.

Die Gewerkschaft werde in Aufsichtsräten bei Vergütungsfragen für Spitzenmanager oft von Anteilseignern überstimmt. "Mehr öffentliche Aufmerksamkeit wird dazu führen, dass die Selbstbedienungsmentalität in den Führungsetagen beschränkt wird."

Morgen, Dienstag, werden in der EU die bisher stockenden Gespräche fortgeführt, wie sich exorbitante Zahlungen an Banker deckeln lassen. Wie berichtet liegt dazu ein Kompromisspapier vor. Ziel ist es, Prämien erstmals in Europa zu begrenzen. Boni, die das Gehalt übersteigen, sollen verboten werden. Es sei denn, die Eigentümer oder Aktionäre stimmen dem auf der Hauptversammlung zu. Mehr als das doppelte Grundgehalt an Extravergütung soll jedoch nicht möglich sein.

Rückenwind aus Zentralbank

Unterstützung kommt mittlerweile auch von Aufsehern und Zentralbankern. Sabine Lautenschläger, Deutsche-Bundesbank-Vizepräsidentin, fordert gesetzliche Grenzen für Bonuszahlungen. Die Finanzindustrie müsse weltweit dafür sorgen, dass beim Kampf um die besten Köpfe keine absurden Prämien vereinbart werden, sagte sie dem Handelsblatt.

Ohne Begrenzung werde es keine Einigung mit dem Parlament zu Basel III geben, sagte der österreichische EU-Parlamentarier Othmar Karas (ÖVP). Das Parlament hat Mitbestimmungsrecht. Einige EU-Länder hatten zuvor darauf gepocht, dass Boni das Gehalt um das Fünffache übersteigen dürfen.

Diplomaten rechnen im Ringen um Prämien demnächst mit einer Einigung. Die neuen Regeln könnten ab 2014 gelten, ein Jahr später als geplant. Hohe Boni gelten als Mittreiber der Krise.

Widerstand

An Widerstand fehlt es freilich nicht. Dieser kommt vor allem aus Großbritannien. London zahlt als wichtigster europäischer Finanzplatz die höchsten Prämien. Um gute Mitarbeiter zu halten, wie es heißt. Das neue Regelwerk zunichtemachen können die Briten nicht - im EU-Ministerrat ist keine Einstimmigkeit vonnöten.

Die Deutsche Bank hat nach Informationen des Stern 2009 einem einzelnen Investmentbanker ei-nen Bonus von 80 Millionen Euro genehmigt. Damit sollte der Zinsspekulant für das Jahr 2008 belohnt werden. Gegen ihn wird inzwischen wegen Manipulation des Referenzzinses Libor ermittelt, das Institut hat ihn 2011 entlassen und behielt 40 Mio. Euro ein. Der satte Bonusanspruch ergab sich aus einer vertraglichen Formel, nach der dem Banker ein fixer Prozentsatz der erzielten Spekulationsgewinne zustand.

VW-Chef Martin Winterkorn soll laut Spiegel für 2012 rund 14 Mio. Euro bekommen. VW arbeitet derzeit an einem neuen Regelwerk für die Vergütung des Managements, das an Absatz und Rendite gekoppelt ist. (APA, vk, DER STANDARD, 18.2.2013)

 

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    Blick von der Chefetage über das Finanzzentrum London. Die Briten zahlen die höchsten Boni und wehren sich gegen die geplante Deckelung.

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