Länderwahlen: Historisches prägt Blicke und Trends

Kolumne17. Februar 2013, 18:45
35 Postings

Niederösterreich und Kärnten - das ist wie Monarchie und Erste Republik

Fünf Länderwahlen und dazu noch eine Bundeswahl. Das ist eine außergewöhnliche Konstellation. Wer jedoch davon redet, die Landtagsentscheidungen würden jeweils einen Bundestrend zeigen, liegt falsch.

Seit sich das österreichische Parteiensystem, einem kontinentalen westeuropäischen Trend folgend, immer mehr aufsplittert, lassen sich selbst die Bundesländer untereinander kaum noch vergleichen. Rückschlüsse auf die Herbstwahlen zum Nationalrat wären deshalb fahrlässig.

Nehmen Sie Niederösterreich und Kärnten, die am 3. März auf dem Prüfstand stehen. Das präsentiert sich wie Monarchie und Erste Republik.

Erwin Pröll agiert in der Manier eines Landesfürsten, unangefochten wie seine Vorgänger in Niederösterreich und wie Regenten der 60er- und 70er-Jahre in der Steiermark (Josef Krainer) oder in Tirol (Eduard Wallnöfer). Er ward nie richtig herausgefordert.

Das wäre auch jetzt nicht der Fall, gäbe es Frank Stronach nicht. Pröll hat ihn anfangs ja an der Angel gehabt (Stichwort Ebreichsdorf), am Zügel freilich nie. Jetzt sind sie Rivalen, und Pröll tut so, als sei der Wuschelkopf drauf und dran, in St. Pölten die Macht zu übernehmen. Zwei Machos spielen Wild-West.

Ressentiment

Dazu kommt ein Ressentiment. Pröll mag Steirer nicht wirklich, wodurch im Unterholz dieses Wahlkampfs zusätzliche Brisanz entsteht. Stronach als Eroberer, der dem Kernland Österreichs die Macht abgraben möchte. Das darf nicht sein.

In Kärnten hat die habsburgische Mentalität genauso wenig Fuß gefasst wie das josephinische Beamtentum. Die Auseinandersetzungen zwischen slowenischem und deutschem Volkstum waren viel prägender, wozu noch die Rivalität zwischen Katholiken (=slowenisch) und Protestanten (=deutsch) kommt. Sowohl rote als auch schwarze Spitzenpolitiker wirkten in ihrem Reden bis herauf in die 80er-Jahre wie Deutschnationale. Jörg Haider, eine Art Kärntner Umberto Bossi, vereinte alle diese Trends.

Das Hypo-Alpe-Adria-Desaster hat als wahres Erbe Haiders Illusionen zerstört und eine völlig zersplitterte politische Landschaft geschaffen.  Es gibt hier keine Großpartei mehr, alles ist in einem pessimistischen Sinne offen.

Finanziell zerrüttet ist mittlerweile auch Salzburg. International angesehen in der Opernkunst, peinlich provinziell in der Politik – so präsentiert sich ein Land, dessen Erzbischof als formaler Primus Germaniae wenigstens rhetorisch Flagge zeigen könnte. Tut er nicht. Der Glanz ist rundherum bloße Patina, die Wahlentscheidung spitzt sich auf die Frage zu: Wer waren die größeren Gauner?

Bleibt Tirol. Seit Jahrhunderten sind Rebellionen gegen "Fremdherrschaft" ein historisches Modul. Was sich hielt, ist eine Unbändigkeit, die sich auch im Land gegen die jeweils Herrschenden richtet. Dass sich die Nachfolgeliste auf Franz Dinkhauser vor allem aus der VP rekrutiert, kostet ihr Stimmen, öffnet aber Türen zu einer monocoloren Koalition.

Also ist auch im Westen am 28. April kein Bundestrend konstruierbar. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 18.2.2013)

Share if you care.