Einkaufscenter kämpft um unkonventionelle Mieter

17. Februar 2013, 17:44
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"Sehnsucht nach Regionalität"

Wien - Einen langsamen Start mit wenigen Mietern hinlegen könne er nicht, sagt Christian Blazek, das würde bei vielen Kunden Assoziationen an Leoville hervorrufen. Es sei also besser, eine volle Auslastung abzuwarten. "Wir haben bis dahin auch nichts zu verlieren."

Seit gut vier Jahren sind die Gebäude des früheren Outletcenters Leoville bei Leobersdorf nach der Pleite seiner Eigentümer verwaist. 2011 erwarben der Schlossgärtner und Kunstmäzen Christian Blazek und seine Frau das Areal. Bis Ende des Vorjahres wollten sie ihm un- ter dem neuen Namen Bloomfield neues Leben einpflanzen. In Ermangelung von genügend Einzelhändlern verschiebt sich die Eröffnung auf kommenden Herbst.

Zu mehr als 65 Prozent sei das Einkaufszentrum bisher vermietet, 95 Prozent will Blazek in den kommenden Monaten erreichen - und dabei Wege beschreiten, die der Mitbewerb rundum auslässt.

Mode zum Kilopreis

Mode zum Kilopreis, große Diskonter und die üblichen verdächtigen Marken seien bei ihm nicht zu finden. Stattdessen will Blazek regionale Handwerksbetriebe ansiedeln. "Es kann nicht sein, dass man für ein Dirndl bis nach Wien fahren muss." Ob Schneider oder Schuster - für sie stünden wie für andere Betriebe abseits des Mainstreams kleine Flächen zur Verfügung. Eine Boulderhalle für Kletterer und ein alternatives Kino mit hundert Sitzplätzen sind geplant, ebenso ein Kindergarten, Skaterpark, Lerninstitut und viel Gastronomie. Blazek sieht seine Chance in kleinen Handelseinheiten und der Rückbesinnung auf Konzepte der Innenstadt. Im Oktober werde eröffnet: Bis zu 300 Arbeitsplätze sollen im Triestingtal entstehen.

Marktforscher sind seit Anfang an skeptisch. Zu dicht sei Österreich mit Einkaufszentren besetzt. Zu sehr hänge dem Standort das unselige Schicksal von Leoville nach. Und zu schwach muteten derzeit die Umsatzentwicklungen im Handel an. Betriebe könnten in diesem Umfeld die Mietkonditionen drücken, wie es ihnen beliebe, so der Tenor der Branche.

Handelsverbandspräsident Stephan Mayer-Heinisch erkennt im " unkonventionellen Konzept" Bloomfields sehr wohl eine gesunde Nische in Österreich. "Die Sehnsucht nach Regionalität ist groß." Entsprechende Schwerpunkte hätten durchaus Zugkraft.

Blazek, der in seinem Betrieb in Pottenstein mit 35 Mitarbeitern rund sieben Millionen Euro umsetzt, verweist auf schlanke Kostenstrukturen. Er zieht ins Bloomfield mit einem Gartenmarkt ein. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 18.2.2013)

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