Verkehrsbüro will Hotels aus Preiskampf nehmen

Interview17. Februar 2013, 18:28
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Die Austria Trend Hotels sollen sich stärker vom Mitbewerb unterscheiden, sagt deren Chef Harald Nograsek

Die Verkehrsbüro Group, Österreichs führender Touristikkonzern, will seine Austria Trend Hotels wieder so profitabel machen, wie sie es bis 2008 waren. "Das Thema heißt Neupositionierung und Investition in die Qualität", sagt Generaldirektor Harald Nograsek im Standard-Interview.

In den 33 Hotels soll es künftig drei Kategorien geben: Smart, Comfort, Premium. Auch preislich sind Abstufungen geplant. Erste Schritte will man im Mai setzen, komplett fertig im nächsten Jahr sein. Um Überschneidungen mit eigenen Veranstaltungsaktivitäten zu vermeiden, wird sich die Verkehrsbüro Group, zu der auch Ruefa gehört, von ihrem 12,5-Prozent-Anteil an der Hofburg trennen. "Die Entscheidung ist gefallen", sagt Nograsek.



STANDARD: Wir befinden uns im Jahr der Schlange, zumindest nach chinesischer Lesart. Schlechtes Omen für die Tourismusbranche?

Nograsek: Ich hoffe, dass das keine Relevanz hat.

STANDARD: 1989, auch ein Jahr der Schlange, fiel die Berliner Mauer, 2001 gab es die Anschläge auf das World Trade Center in New York. Konflikte und überraschende Ereignisse scheinen sich im Zwölf-Jahres-Rhythmus zu häufen.

Nograsek: Auch eine Schlange muss irgendwann rasten. Davon abgesehen - für uns gibt es genug Herausforderungen. In Nordafrika ist eine ganze Tourismusdestination weggebrochen, der Bürgerkrieg in Syrien strahlt bis Israel aus. Eine Naturkatastrophe ist auch schlimm, aber irgendwann ist sie vorbei. Von Menschen bewirkte Unsicherheiten aber dauern an, und man weiß nicht, was am Ende herauskommt.

STANDARD: In Österreich gibt es schon mehr chinesische als japanische Touristen. Gibt es Überlegungen, in den von Ihnen verantworteten Austria Trend Hotels Personal gezielt darauf vorzubereiten?

Nograsek: Wir haben einen Prozess laufen, der nicht nur chinesische, sondern unsere Gäste ganz allgemein betrifft. Das Thema heißt Neupositionierung unserer Hotels und Investment in die Qualität. Wir werden in unserer Hotelgruppe drei Kategorien etablieren: Smart, Comfort und Premium. Egal, in welchem unserer Hotels ein Gast eincheckt, er weiß künftig genau, was ihn erwartet.

STANDARD: Weg von den Sternen?

Nograsek: Nein. Der Großteil unserer Hotels hat vier Sterne, dabei bleibt es. Die drei Kategorien kommen zusätzlich. Bei Smart wird der Leistungsschwerpunkt auf Übernachtung mit Frühstück liegen, Comfort beinhaltet zusätzlich Seminarräume und professionelles Veranstaltungsmanagement, in der Premiumklasse gibt es gehobene Hotellerie wie gehabt.

STANDARD: Die meisten Hotels wird es in welcher Kategorie geben?

Nograsek: Im Comfortbereich. Bei der Entwicklung der Smartklasse sind wir relativ weit. Was wir im Namen führen - Austria Trend - wollen wir auch anbieten, etwa österreichische Produkte beim Frühstück. Das Ganze mit einem hohen Vital- und Bio-Anteil. Indem wir die Speisen vorportionieren, hoffen wir zudem, dass weniger Essen übrigbleibt und nicht weggeworfen werden muss.

STANDARD: Und die Preispolitik ...?

Nograsek: ... wird differenziert erfolgen. Während wir in der Smartklasse Fixpreise anstreben, kann es in den anderen zwei Kategorien Schwankungen geben - abhängig von Angebot und Nachfrage.

STANDARD: Wann ist es so weit?

Nograsek: Die ersten Schritte werden wir voraussichtlich im Mai präsentieren können, komplett werden wir nächstes Jahr fertig sein. Dann wollen wir das Konzept Schritt für Schritt auch im Ausland umsetzen. Ziel ist, uns inhaltlich so von Mitbewerbern abzuheben, dass wir nicht in Preiskämpfe eintreten müssen.

STANDARD: Wie viel investieren Sie?

Nograsek: Allein die Ausstattung mit gutem WLAN summiert sich bei den 33 Hotels der Gruppe auf 1,2 Millionen Euro.

STANDARD: Chinesische Gäste ...?

Nograsek: ... haben wir auch. Ganz Asien ist ein Hoffnungsmarkt, nicht nur China. Aber man muss auf dem Boden bleiben, unsere wichtigsten Gäste sind immer noch Deutsche und Österreicher.

STANDARD: Der chinesische Gast gibt aber weit mehr aus.

Nograsek: Aber nicht im Hotel. Da spart er eisern, damit er mehr bei Gucci ausgeben kann.

STANDARD: Sie sind Quereinsteiger im Tourismus, kommen ursprünglich aus dem Bankenbereich. Was fasziniert Sie so am Tourismus?

Nograsek: Dass die menschliche Komponente eine noch größere Rolle spielt als im Bankenbereich. In beiden Fällen haben wir es mit Dienstleistung zu tun, im Tourismus aber geht das Business rund um die Uhr. Die Mitarbeiter sind enorm gefordert - und wichtig.

STANDARD: Angesichts des Imageverlusts der Banker müssten Sie doppelt froh sein, die Branche rechtzeitig gewechselt zu haben.

Nograsek: (lacht) Beide Branchen haben auch einiges gemeinsam. Bei den Banken ist seit Jahren die Filialdichte ein Thema, im Tourismus auch. Als wir 2004 die Reisebürokette Ruefa übernommen haben, hatten wir insgesamt 180 Filialen. Jetzt sind es noch 120.

STANDARD: Wo sehen Sie für das Verkehrsbüro künftig die größten Chancen, Geld zu verdienen?

Nograsek: Ich gehe davon aus, dass sich die Hotellerie erholt. Dort haben wir bis 2008 mit Abstand das meiste Geld verdient. Es kommen zwar viele neue Hotelkapazitäten auf den Markt, das wird sich aber irgendwann erschöpfen. Wenn der Gästestrom anhält und unser Konzept aufgeht, wird auch die Profitabilität wieder stark steigen.

STANDARD: Was machen Sie mit den Anteilen an der Wiener Hofburg?

Nograsek: Wir haben ein Angebot von den Mitaktionären bekommen, das unseren Preisvorstellungen entspricht, wir verkaufen.

STANDARD: Warum?

Nograsek: Mit der Übernahme von Palais Events in Wien und unseren Hotels verfügen wir über eigene Veranstaltungsflächen. Wir ziehen einen klaren Strich und ersparen uns den Vorwurf, Geschäft abzuziehen.

STANDARD: Wann ist es so weit?

Nograsek: Am 25. Februar gibt es die Generalversammlung der Hofburg, dann entscheidet sich, wer wie viel von unseren 12,5 Prozent übernimmt.

STANDARD: Was heißt das in Geld?

Nograsek: Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. (Günther Strobl, DER STANDARD, 18.2.2013)

 

Harald nograsek (54), gebürtiger Grazer, ist seit 2007 Generaldirektor der Verkehrsbüro Group (Austria Trend Hotels, Ruefa, Eurotours). Er kam 2004 aus dem Beteiligungsmanagement der Bank Austria als Finanzvorstand in Österreichs größten Tourismuskonzern. Die Gruppe beschäftigt 3200 Mitarbeiter.

  • Tritt Flucht nach vorn an: der Chef der Verkehrsbüro-Gruppe, Harald Nograsek.
    foto: matthias cremer

    Tritt Flucht nach vorn an: der Chef der Verkehrsbüro-Gruppe, Harald Nograsek.

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