Wien beim Skisprung auf die Sprünge helfen

17. Februar 2013, 17:35
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Dass es im Großraum Wien keine Skisprungschanze gibt, will nicht nur ein Heurigenwirt ändern: Auch die "Wiener Stadtadler" engagieren sich für einen Trainingsort in Hauptstadtnähe. Noch fehlt ein Investor, die Gemeinde Pressbaum bekundet Interesse

Wien - Von der Idee für eine Skisprungschanze auf dem Cobenzl hält Christian Moser wenig. Nicht weil er eine Skisprungschanze im Großraum Wien für unnötig befindet - im Gegenteil. Gerade weil er sich als sportlicher Leiter des Vereins Wiener Stadtadler mit dem Thema so viel beschäftigt, ist ihm der Vorstoß suspekt. Anfang Februar hatte sich ein Heurigenwirt im Boulevard für eine Schanze in Döbling ausgesprochen und gesagt, er habe auch beim Österreichischen Skiverband Interesse dafür geweckt.

Dessen Präsident Peter Schröcksnadel favorisiert ja Wien als Austragungsort Olympischer Winter- und nicht Sommerspiele, wie der Standard berichtete. Darauf gebe es "bessere Chancen" als auf die von der Stadt avisierten Sommerspiele im Jahr 2028.

Keine Anlage für die Profis

An eine Profi-Skisprunganlage denkt Moser aber gar nicht, sondern kleiner - an 15- bis 60-Meter-Schanzen für Anfänger, vor allem für Sieben- bis 15-Jährige. Der Ex-Profispringer trainiert seit Jahren den Skisprungnachwuchs Ostösterreichs. Sein Verein geht auch viel in Schulen, um dort nach Bewegungstalenten zu suchen.

Moser kämpft darum, dass er mit den 40 Athleten der seit 2005 existierenden Wiener Stadtadler nicht mehr an den Wochenenden bis Mürzzuschlag in der Steiermark fahren muss, um auf einer Schanze zu üben. "Das ist vielen Eltern dann doch zu umständlich, und sie entscheiden sich für den Sportverein ums Eck", erklärt Moser.

Kleine Schanze, großer Andrang

Vor 100 Jahren gab es im Großraum Wien noch mehrere Sprungschanzen: in Kaltenleutgeben, Hütteldorf und Grinzing sowie Sprunghügel in Pötzleinsdorf, Neuwaldegg und auf der Schmelz. Auf dem Cobenzl fand 1931 ein internationaler Bewerb statt.

Die Sprungweite war mit 38 Metern recht bescheiden, der Andrang aber groß: 20.000 Zuschauer sollen dort gewesen sein. 1940 wurde auch am Himmelhof in Ober St. Veit eine Schanze errichtet, die 1980 einem Feuer zum Opfer fiel. Andere der aus Holz gebauten Anlagen verfielen oder wurden abgetragen. Heute existiert in und um Wien keine einzige mehr.

Zwei bis 15 Millionen Euro nötig

Der 40-jährige Moser, der in den 90er-Jahren Mitglied des ÖSV-Kaders war, will das ändern und zu dem Zweck im Frühling wieder Gespräche führen. Mit wem und wo genau, verrät er noch nicht. Allerdings brauche es auch einen Investor. Zwischen zwei bis 15 Millionen Euro müsse man an Errichtungskosten rechnen.

Die All-Time-Favorites sind aus früheren Medienberichten bekannt - meistens Orte, an denen schon einmal eine Skisprungschanze gestanden hat. In Wien ist immer wieder ein Standort nahe der Hohen-Wand- Wiese im Gespräch oder auch die Schanze auf dem Himmelhof. Dafür haben 2002 TU-Studenten eine 90-Meter-Schanze geplant.

Kaltenleutgeben winkt ab

Vonseiten der Stadt gibt es keinen favorisierten Standort: Da Skisprung nicht so hohe Priorität habe, hat "die Stadt Wien bisher noch nicht im Detail geprüft, welche Standorte infrage kommen würden", heißt es dazu von Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SP) Vom Skiverband liege auch kein konkretes Konzept vor.

Der Kaltenleutgebener Bürgermeister Josef Graf (SP) winkt ab: Vor ein paar Jahren seien einmal "junge Männer" vorstellig geworden, um zu fragen, ob sich die Gemeinde einen Wiederaufbau der früheren Schanze vorstellen könne. "Man kann aber nicht mit dem Auto hinfahren. Damit waren die Pläne vom Tisch", sagt Graf.

Pressbaum zeigt sich interessiert

Der Pressbaumer Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner (VP) hatte auch Besuch von Interessierten. "Wir hätten da infrastrukturmäßig schon was machen können", sagt der Ortschef. Aber es bräuchte einen Investor. Pressbaum als Schulgemeinde könne er sich aber gut als Standort vorstellen, sagt Schmidl-Haberleitner.

"Unser Verein ist lange belächelt worden", resümiert Moser. Mittlerweile seien die Stadtadler etabliert. Immerhin kann einer von ihnen, der 16-jährige Mario Mendel aus Mariahilf, auf einen Sieg im Austria Cup verweisen. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 18.2.2013)

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    Beim Winteropening 2003 wurde auf dem Rathausplatz angedeutet, was in Wien alles möglich wäre, etwa der Skisprung.

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