Was von der WM bleiben wird

17. Februar 2013, 18:19
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Das Umweltkonzept nach der Vergabe 2008 war bahnbrechend, umgesetzt wurde nur ein Bruchteil

Schladming - "Super", sagt Peter Schröcksnadel, und so fällt auch die Bilanz des ÖSV-Präsidenten zur WM aus. "Neben dem Sport haben alle Konzepte von Sicherheit über Umwelt bis zum Verkehr gegriffen, alles hat klaglos funktioniert." Zwischen 270.000 und 300.000 Besucher sollen laut Veranstalter zu den Skirennen ins Ennstal gekommen sein. Der überwiegende Großteil der Fans war fair, nicht nur Ivica Kostelic, Aksel Lund Svindal und Felix Neureuther lobten die großartige Stimmung in der Zielarena.

Der ÖSV hatte als vorrangiges Ziel Gewinnmaximierung ausgegeben. 400 Millionen Euro wurden in Schladming in die WM und in die Infrastruktur investiert. Ob sich die Summe - Stichwort Umwegrentabilität - rechnet, lässt sich in einigen Jahren sagen. Fix ist, dass der Verschuldungsgrad der Stadt von 7,85 Prozent (2006) auf 13,83 Prozent geklettert ist. Die Bürger der Nachbargemeinden Rohrmoos und Pichl-Preunegg wehren sich nach Kräften gegen eine vom Land Steiermark verordnete Fusion.

Umweltminister Nikolaus Berlakovich hat Schladming für die im Zuge der WM umgesetzten Nachhaltigkeitsprojekte die "grüne Öko-Medaille" verliehen. Steiermarks Umweltlandesrat Johann Seitinger will "dieses Spiegelbild der Nachhaltigkeit in die Welt raustragen". Dass mit dem Energieverbrauch der rund 900 Schneekanonen der Planai Bergbahnen tausende Haushalte versorgt werden könnten, wurde in den Pressekonferenzen und Aussendungen verschwiegen.

Zurück ins Jahr 2008: Als die WM vergeben wurde, sollte Schladming laut dem ersten Konzept der Landesregierung noch zur "Musterregion für Klimaschutz" umgebaut werden - weitgehend mit Alternativenergie versorgt. Damals war von 100 bis 150 Millionen Euro die Rede, die für infrastrukturelle Voraussetzungen für die WM investiert werden müssten. Zehn Prozent davon sollten allein für Klimaschutz verwendet werden.

Die Pläne waren relativ konkret: Es sollte alles, was gebaut oder renoviert wird, auf Energieeffizienz und Klimaschutztauglichkeit abgeklopft werden. Die Wärmeversorgung sollte künftig über thermische Solaranlagen laufen. Geplant war zudem, dass die Straßenbeleuchtung auf neue Lichttechnologien - mit Energieeinsparungen von mehr als 80 Prozent - umgestellt werden soll. "Bei dieser WM soll kein Gast in einem Haus wohnen müssen, das nicht energieoptimiert ist", sagte der damalige Umweltlandesrat Manfred Wegscheider.

Der gesamte WM-Shuttledienst sollte mit Autos, die elektrisch oder mit Alternativtreibstoffen betrieben werden, organisiert werden. Tatsächlich ging sich genau ein Elektrobus aus. (mue, krud, DER STANDARD, 18.02.2013)

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