Amerika ist, wo sich alles ums Gewinnen dreht

17. Februar 2013, 18:16
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Das US-Team feiert dank Superstar Ted Ligety und Mikaela Shiffrin zum ersten Mal einen Sieg im Medaillenspiegel. Alpindirektor Patrick Riml, ein Tiroler, über Geld und US-Siegesmoral

Schladming - Da fallen mit Bode Miller (Olympionike und vierfacher Weltmeister) und Lindsey Vonn (Olympionikin und zweifache Weltmeisterin) äußerst fleißige US-Medaillensammler der letzten Jahre mit Verletzungen aus. Und dennoch schließt Team USA bei der Ski-WM in Schladming mit viermal Gold und einmal Silber an der Spitze des Medaillenspiegels ab. Das ist den Amerikanern in der 82-jährigen WM-Geschichte noch nicht gelungen.

"Was gewisse Athleten hier geleistet haben, war sensationell", sagte der Tiroler Patrick Riml, der seit 2011 den US-Alpindirektor gibt. Dabei sprach Riml, der seit 2001 in Nordamerika arbeitet, nicht nur von Ted Ligety, mit drei Goldmedaillen der Superstar in Schladming. Und er sprach nicht nur von der 17-jährigen Mikaela Shiffrin, die sich am Samstag im Slalom vor der 27-jährigen Salzburgerin Michaela Kirchgasser zur drittjüngsten Slalom-Weltmeisterin aller bisherigen Zeiten gekrönt hatte.

Julia Mancuso musste den Super-G, den WM-Auftaktbewerb am 5. Februar, nur wenige Minuten nach dem schweren Sturz von Vonn bestreiten. Vonn, 59-fache Weltcupsiegerin, hatte sich dabei einen Kreuzbandriss, einen Innenbandriss und einen Haarriss im Schienbeinkopf im rechten Knie zugezogen. "Dass Julia wenige Minuten später rausgegangen ist und Bronze geholt hat, war unter diesen Umständen sensationell", sagte Riml.

Austria in USA

Der Söldener ist bei weitem nicht der einzige Österreicher, der im Team USA werkt. Alexander Hödlmoser ist Cheftrainer bei den Damen, unter ihm trainieren unter anderem Roland Pfeifer (Technik) und Andreas Moser (Abfahrt). Im Frühjahr 2012 wechselte Andreas Evers von der ÖSV-Herrenmannschaft zur Speed-Abteilung im Team USA. Mit dem Flachauer ging auch Bernd Brunner, der im Vorjahr noch Cheftrainer der Damen im Europacup war. Brunner übernahm die Technik-Abteilung der Herren.

Dazu kommen zahlreiche Servicemänner, die von den Ski-Firmen zur Verfügung gestellt werden, der Großteil davon kommt aus Österreich. Der 40-jährige Vorarlberger Alexander Martin präpariert die Head-Latten für Ligety - und das nicht schlecht.

Die Tatsache, dass Sölden den US-Skiverband mit 400.000 Euro sponsert sowie Trainingspisten und Equipment zur Verfügung stellt, hat ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wiederholt kritisiert. "Die Amerikaner sind Österreich zwei, wie beim Bobfahren", sagte Schröcksnadel erst vor ein paar Tagen im Interview mit dem Standard. "Österreichisches Geld, österreichische Trainer, sie wohnen bei uns. Sie sind nur dort drüben geboren."

Unterschiede

Dem widerspricht nicht nur Riml vehement. "Was die Trainer betrifft, so kann ich sagen, dass ich vor allem mit amerikanischen Coaches arbeite", sagte der insgesamt vierfache Weltmeister Ligety. Diplomatie ist dem 28-Jährigen aus Salt Lake City nicht fremd. "Natürlich haben auch die Österreicher großen Anteil an meinem und am Teamerfolg."

Was den ÖSV und Team USA unterscheidet? Erst einmal die Budgets: Der heimische Verband hat 40 Millionen Euro für die gesamte Sportpalette zur Verfügung. USSA (United States Ski and Snowboard Association) konnte laut dem jährlichen Report 2012 umgerechnet 27,3 Millionen Euro ausgeben.

In den alpinen US-Rennsportbereich fließen rund 4,5 Millionen Euro - etwa ein Viertel des Budgets der ÖSV-Skifahrer, sagt Riml dem Standard. Nicht eingerechnet in diese Zahlen sind Ausgaben, die etwa Red Bull für Athletin Lindsey Vonn tätigt.

Medaillendruck von außen gibt es nicht. "It's all about winning", sagt Riml. "Die Sportler legen sich ohnehin selbst so viel Druck auf, da braucht es keinen zusätzlichen von Verbandsseite." Die Erfolge seiner Mannschaft haben ihm eine gute Ausgangsbasis für Sponsorenverhandlungen beschert, die Budgets für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi und für die Heim-WM 2015 in Vail und Bea-ver Creek dürften wachsen.

Partnerschaft mit Sotschi

Im Skigebiet Park City, Utah, gibt es ein Trainingszentrum samt medizinischer und sportwissenschaftlicher Abteilung. "Das muss man sich wie eine Sportuniversität vorstellen", sagt Riml. Dazu gibt es eine Partnerschaft mit dem Olympiaort Sotschi, Shiffrin etwa trainiert ab Dienstag dort. Nachwuchssorgen plagen Riml nicht. "Im Abfahrtsweltcup haben wir vier US-Fahrerinnen unter den Top sechs. Diese Stärke wünschen wir uns in jeder Disziplin." (David Krutzler, DER STANDARD, 18.02.2013)

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    Ted Ligety ist dreifacher Weltmeister und Diplomat. "Die Österreicher haben großen Anteil an meinem Erfolg."

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    Mikaela Shiffrin (re.), die Gold vor Michaela Kirchgasser (li.) holte, ist 17 Jahre alt und weilt ab Dienstag zum Training in Sotschi, wo 2014 die Olympischen Spiele steigen.

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