Kroatien: EVN-Gas-Vertrag im Visier

17. Februar 2013, 17:30
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EVN hat 2009 Zuschlag für Versorgung in Zadar erhalten

Der EVN-Direktor wies jeden Verdacht zurück. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Zadar sagte Gottfried Reisenauer, weder die Polizei noch eine sonstige Behörde habe die EVN wegen allfälliger Ermittlungen kontaktiert. Davon habe man erst aus den Medien erfahren. Man habe immer in Übereinstimmung mit den Vorschriften gehandelt. Sein Kollege von der EVN, Werner Casagrande, antwortete auf die Frage, ob es eine Provision für das Millionengeschäft gegeben habe, mit einem deutlichen "Nein!".

Bereits Ende 2012 hatte der Polizeisprecher Elis Zodan der Zeitung Slobodna Dalmacija bestätigt, dass Ermittlungen über den Vergabeprozess zur Erdgasversorgung in der dalmatinischen Stadt Zadar eingeleitet worden seien. 2009 hat der niederösterreichische Energieversorger EVN den Zuschlag für eine 30-jährige Konzession erhalten. Die EVN hat die Aufgabe, Gasverteilnetze auszubauen.

Die Konzession war bereits im Februar 2008 ausgeschrieben worden. Damals war laut Slobodna Dalmacija das italienische Unternehmen GS Gas Rimini Bestbieter, die EVN lag an zweiter Stelle. Doch laut einer Stellungnahme der Gespannschaft Zadar hatte die EVN dennoch das beste Angebot. Die erste Ausschreibung wurde wegen "Nachteilen" aller acht Anbieter aufgehoben. Nach der zweiten Ausschreibung bekam die EVN im Juni 2009 den Zuschlag. Die EVN, die auch in Mazedonien und in Bulgarien tätig ist, hat auch den Zuschlag für die Gasversorgung in den Gespannschaften Split und Sibenik bekommen.

Gas-Anschlusskosten

Für manche kroatische Bürger, die angesichts der niedrigen Löhne ohnehin unter den hohen Energiekosten leiden, sind auch die Anschlusskosten für die Gasversorgung ein Grund zur Sorge. Laut der EVN sollen für die Gasversorgung in Zadar 25 Millionen Euro investiert werden. Für die Region Sibenik umfasst der Auftrag 27,5 Millionen Euro.

Übrigens ist auch der ehemalige kroatische General Ante Gotovina, der im November vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag freigesprochen wurde, ins Gasgeschäft in Zadar über die Firma Adriatik gradnje involviert. Seit Gotovina aus der Haft in den Niederlanden zurück nach Kroatien gekommen ist, sollen geschäftliche Abwicklungen plötzlich viel besser funktionieren, ist aus Wirtschaftskreisen zu hören. (Adelheid Wölfl aus Zagreb, DER STANDARD, 18.2.2013)

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