Ex-Kammerdiener des Papstes muss schweigen

17. Februar 2013, 10:38
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Paolo Gabriele unterzeichnete Vereinbarung mit Vatikan

Vatikanstadt - Der ehemalige Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, der wegen Dokumentendiebstahls zu 18 Monaten Haft verurteilt und im Dezember von Benedikt XVI. begnadigt worden ist, verpflichtet sich zum Schweigen über seine Jahre im Dienst des Pontifex, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete. Der 46-Jährige habe ein dementsprechendes Dokument unterzeichnet, das von den Rechtsanwälten des Vatikans verfasst wurde.

Auch nach der Begnadigung habe Benedikt Kontakte zu Gabriele gehalten. Er habe ihm und seiner Familie "Interesse und väterliche Nähe bewiesen", verlautete aus Vatikan-Quellen. Gabriele hat diese Woche begonnen, als Angestellter in einem Spital im römischen Stadtviertel San Paolo zu arbeiten, das zum vatikanischen Kinderkrankenhaus "Bambino Gesu" gehört.

Der Papst hatte Gabriele am 23. Dezember begnadigt. Daraufhin durfte er die Zelle verlassen, in der er seit der Verurteilung im Oktober inhaftiert war. Gabriele war am 6. Oktober von einem vatikanischen Gericht verurteilt worden, weil er in der sogenannten Vatileaks-Affäre vertrauliche Dokumente kopiert und an den Journalisten Gianluigi Nuzzi weitergegeben hatte. Dieser hatte sie in seinem Enthüllungsbuch veröffentlicht. Laut Ermittlungen hatte Gabriele Nuzzi zahlreiche kopierte Briefe und Geheimdokumente aus der Wohnung des Papstes übermittelt.

Vatileaks nicht der Rücktrittsgrund

Als die Dokumente veröffentlicht wurden, spekulierten Beobachter, innervatikanische Flügelkämpfe seien die wahre Ursache für den Vertrauensbruch gewesen, eines der Angriffsziele sei Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Nuzzis Buch hatte in den vergangenen Monaten weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Die sogenannte "Vatileaks"-Affäre war nach Meinung des deutschen Journalisten Peter Seewald nicht der Anlass für den Amtsverzicht von Benedikt XVI. Seewald berichtete dem deutschen Nachrichtenmagazin "Focus", der Verrat habe den Papst weder aus der Bahn geworfen, noch amtsmüde gemacht. Das habe er im August bei einem eineinhalbstündigen Gespräch von Benedikt XVI. in der Sommerresidenz in Castel Gandolfo erfahren. Es sei nicht so, "dass ich irgendwie in eine Art Verzweiflung oder Weltschmerz verfallen würde. Es ist mir einfach unverständlich. Auch wenn ich die Person ansehe, kann ich nicht verstehen, was man sich davon versprechen kann. Ich kann in diese Psychologie nicht eindringen," sagte der Papst laut Seewald.

Wie der Autor des Papst-Interview-Buches "Licht der Welt" im "Focus" schreibt, war dem Papst wichtig, dass bei der Aufarbeitung des Falles "im Vatikan die Unabhängigkeit der Justiz gewahrt wird, dass nicht der Monarch sagt, jetzt nehm ich es aber in die Hand". (APA, 17.2.2013)

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