"Scheinasylanten" beim FPÖ-Ascherfreitag

15. Februar 2013, 21:54
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Anfänglich prächtige Stimmung, aber dann doch lieber Bier: "Strache ist kein Haider"

Ried im Innkreis – Pünktlich, winkend, braun gebrannt, geblendet von den Scheinwerfern, doch mit dem Lächeln des Zahntechnikers, betritt er den Saal: "Unser Stargast, unser HC", kreischt die Moderatorin ins Mikro, der Obmann zwinkert siegessicher: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am "Politischen Ascherfreitag der FPÖ", zum 22. Mal, aber mit zwei Tagen Verspätung, weil der Stargast am Mittwoch noch im Urlaub war. Der Begeisterung der 2000 nach Ried gereisten "Freunde der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft" tut das keinen Abbruch.

Die Stimmung ist anfänglich prächtig. Es wird gelacht, gepfiffen, gegrölt. Der Heringsschmaus (mit Eintritt und Getränk 15 Euro) schmeckt, obwohl schon wieder Fleisch gegessen werden darf. Dann, endlich, tritt Strache ans Rednerpult. Tief aus der Brust schreit er ins Mikro, immer wieder ballt er die Fäuste. Er will "die stärkste politische Kraft in Österreich werden". Ad Stronach: "Du heiliger Strohsack", ad Pröll: "Absolutismus abschaffen, bevor er zum Papst werden will", ad Häupl: "Mit einem nassen Fetzen aus dem Amt jagen". Ansonsten beklagt Strache das "rot-schwarze Jammerbild" und stellt klar: "Patrioten sind keine Nazi-Idioten" (die Halle bebt), denn gesunder Patriotismus sei das Zukunftsmodell ("genaaou"). Mit vielen anderen Sprüchen ("Gabi ,die Träne' Burgstaller") reißt er hingegen nicht mal den treuesten Fan mit.

Früher, erzählen ältere Gäste, hätten sie über Stunden gebannt zur Bühne gestarrt: Doch Strache sei kein Haider. Nach 30 Minuten schwindet die Aufmerksamkeit, lediglich bei den "Scheinasylanten in der Votivkirche" heben sich immer wieder die Köpfe. "Wenn Kreisky sprach, haben die Leute das Mittagessen anbrennen lassen, bei Faymann fangen sie zu kochen an", sagt Strache. Er hat wohl das gleiche Problem. (Katharina Mittelstaedt/DER STANDARD, 16.2.2013)

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