Der Raum weitet sich

15. Februar 2013, 19:16
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Dennis Kellys Stück "Waisen" ist eine Studie über Angst, Gewalt und Lügen - und mit speziellem Bühnenbild

Linz - Der Londoner Autor Dennis Kelly (geb. 1965) nimmt in seinen Dramen häufig eine Krimihandlung als vordergründige Ausgangssituation, die sich dann zu einer präzise formulierten Sozialkritik entwickelt. In Waisen (ÖEA 2011 am Schauspielhaus Wien) ist es Liam, der eines Abends blutverschmiert vor der Tür seiner Schwester und deren Mann steht und meint, er habe einen verletzten Buben gefunden. Alles aber ist ganz anders und entwickelt sich zu einem monströsen wie fragilen Gebilde aus Lügen, Ängsten und Gewalt. Mit "Waisen" sind alle Menschen gemeint, "die sich abgekoppelt fühlen", so Kelly im Standard-Gespräch anlässlich der Uraufführung.

Viele fühlen so, als würde sich in unserer Gesellschaft niemand mehr um den anderen kümmern. Das führt zu Angst, und diese Angst bringt auch die Protagonisten in Waisen dazu, gegen moralische Grundwerte zu verstoßen. Nach und nach entblättert sich ein Psychothriller aus Liebe, Loyalität, Vorurteilen und Rassismus, der letzten Endes nur Opfer kennt.

Johannes Maile, der zuletzt 2012 am Theater Phönix Neil LaButes das maß der dinge inszeniert hat, hat Kellys Vorlage stark gekürzt und verzichtet auf eine vierte Figur (ein Kind) völlig. Der Text ließe das ohne weiteres zu, so Maile, ohne dadurch Dichte und Brisanz zu verlieren.

Interessant ist die Idee, ein Bühnenbild in Auftrag zu geben, das sowohl für Waisen als auch für die ebenfalls zurzeit am Theater Phönix laufende Produktion Der Weibsteufel (von Karl Schönherr, ebenfalls eine Dreiecksbeziehung) adaptierbar ist. Magdalena Gut, die in Wien bei Erich Wonder Kostüm- und Bühnengestaltung studiert hat, hat die Aufgabe gelöst, für Maile einen möglichst leeren, kontextfreien und für den Weibsteufel einen engen Raum zu erzeugen.  (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 16./17.2.2013)

 

  • Angst gebiert Lügen und Gewalt: Matthias Hack, Judith Richter und Felix Rank im Theater Phönix.
    foto: herzenberger

    Angst gebiert Lügen und Gewalt: Matthias Hack, Judith Richter und Felix Rank im Theater Phönix.

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