Mozart und ein bisschen mehr

15. Februar 2013, 18:49
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Die erste Saison, in der sich das Linzer Landestheater um den Musiktheater-Neubau erweitert hat, verheißt keine großen Experimente

 Es sind eher die großen Klassiker, mit denen man doch auch auf Nummer sicher gehen will. Es gibt aber auch Uraufführungen.

Linz - Landeshauptmann Josef Pühringer bringt es in einem Statement während der Pressekonferenz auf den Punkt: Ohne Mozart wird's nicht gehen, schließlich muss das neue Haus ab Mitte April ja auch gefüllt werden. Der Spielplan ist so betrachtet selbsterklärend: Mozarts Zauberflöte, Bizets Carmen, Strauß' Fledermaus sollen für klingende Kassen und ein volles Haus sorgen. Experimente, Wagnisse und damit Schärfe und Profilbildung lässt der Spielplan nur dezent zu: mit einer Auftragsproduktion des zeitgenössischen Opern-Komponisten Ernst Ludwig Leitner (Die Sennenpuppe, Die Hochzeit) etwa. Das Libretto schreibt Franzobel: Fadinger erinnert in zwei Akten an den oberösterreichischen Bauernkriegshelden Stefan Fadinger. Die Oper wird im Februar 2014 uraufgeführt. 30 Produktionen mit Livemusik werde es in dieser ersten Saison geben, freut sich Intendant Reinhard Menniken und 20 Prozent mehr Premieren - dazu zählt u. a. auch Wagners Ring.

Auf der Studiobühne "Black Box" wagt man sich ein bisschen weiter in Richtung Zeitgenössisches und inhaltlich Herausforderndes: etwa mit Cage Stage, einer Musiktheaterproduktion von und nach John Cage oder der österreichischen Erstaufführung der Märchenoper Die Arabische Prinzessin von Juan Crisóstomo de Arriaga (1806-1826). Masse versucht man mit Musicals zu lukrieren - mit Show Boat oder der deutschsprachigen Erstaufführung von The Wiz, jener als Film erfolgreichen Motown-Variante des Zauberers von Oz. Innerhalb von nur drei Wochen musste Mei Hong Lin den Ballett-Spielplan erstellen, sie folgt dem verstorbenen Jochen Ulrich als Direktorin und präsentiert sich erstmals mit Schwanengesang, einem Tanztheater nach Motiven von Georges Rodenbachs Roman Bruges-la-morte (ab Oktober 2013).

Sprechtheater bleibt im Großen und Ganzen weiterhin dem Haus an der Promenade vorbehalten: Direktor Gerhard Willert inszeniert etwa Molières Der eingebildete Kranke. Auch ist u. a. Mike Leighs Gram (Dt. EA) zu sehen und wird Marc Becker Taboris Goldberg-Variationen inszenieren. Feines und Skurriles findet sich in der Kinder- und Jugendtheaterschiene, da sichert sich John F. Kutil freudige Erwartungen mit der Bühnenfassung eines der komischsten Kinderbücher aller Zeiten: Philip Ardaghs Schlimmes Ende. Wichtige Sache: Im neuen Musiktheater in Linz wird am 12. April die Philip Glass' Auftragsoper Spuren der Verirrten mit einem Libretto nach Peter Handke uraufgeführt.   (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 16./17.2.2013)

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    Schreibt eine Oper für das neue Linzer Opernhaus: Komponist Philip Glass.

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