Mehr Frauen in Führungspositionen

Kolumne15. Februar 2013, 17:22
90 Postings

Mehr Frauen in Führungspositionen sind gut für Unternehmenserfolg und Gesamtwirtschaft

Ausgehend von einem niedrigen Niveau erhöht sich der Frauenanteil in den höchsten Entscheidungsgremien von Unternehmen sehr langsam, zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Um zwei Prozentpunkte auf vierzehn Prozent stieg er seit 2010 im EU-Durchschnitt. In Österreich auf nur elf Prozent. In den Vorständen der österreichischen börsennotierten Unternehmen gibt es nach Arbeiterkammer-Erhebungen nur vier Frauen.

Bei den staatsnahen Unternehmen, für die 2011 eine Quote von 35 Prozent für die BundesvertreterInnen in den Aufsichtsräten bis 2018 festgelegt wurde, hat der Frauenanteil immerhin 26 Prozent erreicht.

Mehr Frauen in Führungspositionen sind gut für Unternehmenserfolg und Gesamtwirtschaft. Das belegt eine Auswertung neuester Studienergebnisse durch das Münchner ifo-Institut. Den vielen EU-Ländern mit wenigen Frauen in Managementpositionen entgehen somit bedeutende ökonomische Potenziale. Dies hat die EU-Kommission veranlasst, nach langen Diskussionen im vergangenen November einen Richtlinienvorschlag zur Einführung einer Frauenquote zu beschließen: In den Aufsichtsräten großer privater börsennotierter Unternehmen soll ein Frauenanteil von vierzig Prozent bis 2020 erreicht werden, im öffentlichen Bereich bis 2018. Andernfalls - so der Hinweis der EU-Kommission - würde bei den aktuellen Zuwachsraten der angestrebte Frauenanteil erst in vierzig Jahren erreicht.

Während der Vorschlag im Europaparlament voraussichtlich eine Mehrheit finden wird, sind einige Mitgliedsländer, darunter Deutschland, eher skeptisch. Viele Kritiker geben zu bedenken, dass Frauenquoten nicht das Allheilmittel zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen sind. Und in der Tat: Frauenquoten setzen am Ende der Kette von Entscheidungen von Frauen und Unternehmen über deren Karriereverlauf an.

Soll sich oben an der Spitze etwas ändern, muss unten angefangen werden. Frauenquoten und die oft bestehende kurzfristige Unmöglichkeit, sie zu erfüllen, machen jedoch genau auf fehlende förderliche Rahmenbedingungen von Beginn des Karriereverlaufs an aufmerksam. So können sie - versehen mit angemessenen Übergangsfristen - als Hebel zur Verbesserung der Rahmenbedingungen wirken: Kinderbetreuungseinrichtungen, die Eltern die Vereinbarkeit ermöglichen und Kindern gleichstellungsorientierte gesellschaftliche Rollenbilder und Normen vermitteln; Unterstützung der Väterbeteiligung; Förderung der Wahl nichtfrauentypischer Berufe und Studiengänge; Führungspositionen in Teilzeit, flexiblere Arbeitszeitmodelle und Transparenz von Entlohnungs-, Einstellungs- und Aufstiegsentscheidungen auf Unternehmensebene. Dank einer Kombination aus Quote und Rahmenbedingungen weisen die nordischen Länder hohe Frauenanteile in Führungspositionen auf.

Und so ist wohl der Einschätzung von Frauenquoten der jüngst verstorbenen ehemaligen Präsidentin der Nationalbank, Maria Schaumayer, in ihrem letzten Interview mit dem Standard zuzustimmen: "Ich wäre glücklich, wenn es nicht notwendig wäre, aber ich komme eher zu dem Schluss, es wird sich nicht vermeiden lassen." Um hinzuzufügen: "Ich bin selbstbewusst zu sagen, dass eine bessere Quote keineswegs eine schlechtere Qualität bedeutet." (Margit Schratzenstaller, DER STANDARD, 16.02.2013)

 

Margit Schratzenstaller ist Referentin für öffentliche Finanzen beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo).

Share if you care.