Lage für Filmemacherinnen ist "sehr schlecht"

15. Februar 2013, 17:21
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Frauennetzwerk-Vertreterin verlangt strukturelle Änderungen im männerdominierten Filmgeschäft

Berlin - Als "sehr schlecht" bezeichnete die Geschäftsführerin des Drehbuchforums Wien, Wilbirg Brainin-Donnenberg, die Situation der weiblichen Filmschaffenden in Österreich. Das Land liege im europäischen Vergleich weit zurück, deutlich hinter Deutschland. Bei der Veranstaltung "You cannot Be Serious", einer Diskussion zum Status von Regisseurinnen in der Filmbranche am Rande der Berlinale, sprach sie von einem "strukturellen Problem".

Der Titel der Veranstaltung bezieht sich auf den ersten internationalen Protest anlässlich des Filmfestivals 2010 in Cannes (You Cannes Not Be Serious), wo Frauen im Filmgeschäft dagegen protestiert hatten, dass erst einmal in der Geschichte des französischen Filmfests eine Frau mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden war. Nur viermal haben bisher Regisseurinnen in Berlin und Venedig den Hauptpreis erhalten.

Je teurer die Produktion, desto weniger Frauen

"Die Filmbranche ist männerdominiert", sagte Brainin-Donnenberg, die auch den "FC Gloria Frauen Vernetzung Film" leitet. Das Netzwerk fordert Kommissionen, die auf Rollenklischees und Gendersensibilität geschult werden sollten.

"Es gibt die Frauen in Österreich", fügte Brainin-Donnenber hinzu und nannte Namen wie Jessica Hauser, Sabine Derflinger oder Ruth Beckermann. Aber in Vergleichszahlen mit den Männern im Filmgeschäft sehe es traurig aus. Im Experimentalfilm fände man noch Österreicherinnen, wenige im Dokumentarfilm, aber kaum mehr im Spielfilm: Je teurer die Produktion, desto weniger Frauen an der Spitze. "Es gibt so wenige Produzentinnen", sagte Brainin-Donnenberg.

Allerdings: "Wir stellen für verschiedene Bereiche eine Bedrohung dar, wir werden angefeindet - wir spüren: es greift." Seit drei Jahren gibt es das Frauennetzwerk. Frauen im Filmgeschäft würden sich heute mehr trauen, das Geschlechter-Missverhältnis zu artikulieren. Mit der Veranstaltung in Berlin, zu der vergangenen Freitag an die 150 Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen, Produzentinnen und Schauspielerinnen gekommen waren, solle die internationale Vernetzung vorangetrieben werden. 2012 hatten sich in Köln Filmfestivals und diverse Frauennetzwerke in einem Internationalen Netzwerk (IWFFN) zusammengeschlossen.

Vorbilder: Norwegen und Schweden

Vorbild in Europa sind Norwegen und Schweden. Das schwedische Filminstitut hat in einem Filmabkommen 2013-2015 die Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz als Zielvorgabe festgeschrieben. 

Die österreichische Regisseurin Barbara Albert schrieb in einem Text für die Diskussion, es sei "eine Schande, dass wir noch immer die Qualität weiblichen Filmschaffens zu diskutieren haben, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass niemals mehr als 20 Prozent der Filme im Jahr, die an internationalen Filmwettbewerben teilnehmen, von Frauen gemacht sind". Nur zehn Prozent der weltweit jährlich von Männern hergestellten Streifen hingegen wären es wert, dort gezeigt zu werden. In einem waren sich die Frauen im Diskussionsforum einig: Das größte Problem für weibliche Filmschaffende ist das Funding. Mit ihrem Netzwerk und über die Verbindungen im Internet wollen sie nun gemeinsam stärker werden. (APA, 15.2.2013)

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