Quartier mit unterschiedlich schönen Aussichten

17. Februar 2013, 19:44
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Neben dem Wiener Hauptbahnhof entstehen bis 2018 fast 600.000 Quadratmeter Geschoßfläche. Die Qualität der einzelnen Projekte ist unterschiedlich

Wien – Während der neue Hauptbahnhof Wien seit Dezember 2012 in Teilbetrieb ist, werden die Parzellen rundherum noch lange Zeit Baustelle bleiben. Auf manchen Grundstücken wird bereits gebaggert und gebaut, die meisten jedoch befinden sich noch in Entwicklung und Planung. Auf dem 25 Hektar großen, sogenannten Quartier Belvedere das sich ehemals in Besitz der ÖBB befand, entsteht ein Gewerbe- und Büroviertel mit 566.000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche. Entwickelt wird das Areal von der Erste Group Immorent, der S Immo und Strauss & Partner.

Am weitesten fortgeschritten ist der Erste Campus an der Ecke Wiedner Gürtel und Arsenalstraße. Wo sich bis vor wenigen Jahren der Südbahnhof befand, entsteht das neue Hauptquartier der Erste Group, auf dem 23 der insgesamt 25 Wiener Bürostandorte der Ersten zusammengelegt werden sollen. Der Rohbau ist bereits im vierten Stock angelangt. "Wir sind dem ursprünglichen Zeitplan um einige Wochen voraus", sagt Marta Schreieck vom zuständigen Planungsbüro henke schreieck architekten. "Dabei ist die Baustelle sehr komplex, weil wir wegen des schlechten Bodens tief gründen müssen." Der neue Bürocluster wird mit Fernwärme, Fernkälte und Bauteiltemperierung mit Wärmerückgewinnung geheizt und gekühlt werden. Auf eine Klimatisierung des 244 Millionen Euro teuren Bauvorhabens wurde bewusst verzichtet.

Campus aus Holz

Doch das Außergewöhnlichste am Erste Campus ist die Bauweise: Der gesamte Bau wird mit einer geschoßhohen Holzelementfassade mit vorgehängter Glashaut verkleidet. "Bei einem Projekt dieser Größe ist Holz ein ungewöhnliches Material", meint Schreieck. Auch bei den Funktionen wollen die Architekten der Öffentlichkeit städtische Werte zurückgeben. In den Erdgeschoßen wird es Restaurants, Shops und sogar ein kleines Museum geben.

Von solchen architektonischen Qualitäten kann man andernorts nur träumen. Direkt neben der ÖBB-Konzernzentrale von Zechner & Zechner ZT GmbH entsteht das österreichische Flagship-Hotel der Münchener Motel One Group. Entwickelt wird das Projekt von der Hamburger ECE. Motel One wird das Haus dann mieten und von der Motel One Austria, einem Joint Venture mit der Verkehrsbüro Group, betreiben lassen. Das 18-geschoßige Gebäude, für dessen Planung das Wiener Büro Holzbauer & Partner verantwortlich zeichnet, wird über 533 Zimmer verfügen. Baubeginn ist kommenden Sommer, die Fertigstellung ist für Frühjahr 2015 geplant. Die Baukosten werden geheim gehalten.

Weißer Hotelturm

Mit 60 Metern Höhe wird das neue Motel One schon vom Weiten sichtbar sein. Die Fassade wird derzeit in Absprache mit der Wiener MA 19 abgestimmt. Auf die Frage, wie gut sich das Projekt generell ins neue Wiener Stadtquartier fügt und wie gut die unterschiedlichen Bauten zueinanderpassen, meint Jens Kalkbrenner, Architekt bei der ECE Projektmanagement GmbH & Co KG: "Dazu äußere ich mich nicht." Positiv: Für den weißen Hotelturm wird eine ÖGNI-Zertifizierung angestrebt.

Weitaus weniger konkret ist die Zukunft auf dem Filetstück Bauplatz A.01, das die ÖBB im Sommer letzten Jahres an die Signa Holding verkaufte, sowie auf dem zwischen A.01 und Erste Campus gelegenen Quartier Belvedere Central (QBC, Masterplan Jabornegg & Pálffy). Da wie dort müssen die Einzelprojekte erst noch entwickelt werden.

Das Mindestanbot für die Parzelle A.01, die als "Tor zum neuen Wiener Hauptbahnhof" (O-Ton Signa) entwickelt werden soll, betrug damals 27,9 Millionen Euro. "Sie können davon ausgehen, dass der tatsächliche Kaufpreis höher war", heißt es seitens der Signa Holding etwas nebulos. Wiedergutgemacht werden soll die Investition mit einem 88 Meter hohen Turm mit 90.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche.

Wettbewerb in der Schlussphase

Derzeit ist ein geladener einstufiger Architekturwettbewerb mit einem Dutzend Architekturbüros im Gange, wie Franz Peter Orasch, Pressesprecher der Signa Holding, auf Anfrage des STANDARD bestätigt. In den kommenden Wochen soll das Architekturprojekt entschieden werden. Der Baubeginn ist für Ende 2014 geplant.

"Wir werden definitiv ein Auge auf diesem Projekt behalten", sagt Herbert Logar, Geschäftsführer der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH, die das Grundstück bis Ende 2014 wegen der Bahnhofsbauarbeiten gratis weiternutzen darf. "Wir werden in der Jury sitzen und darauf Acht geben, dass eine gewisse öffentliche Qualität für jedermann bestehen bleibt." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 16./17.2.2013)

  • So soll das Viertel um den neuen Wiener Hauptbahnhof einmal aussehen. Die geschwungenen Bauten in der Bildmitte ...
    visualisierung: zoom visual project gmbh

    So soll das Viertel um den neuen Wiener Hauptbahnhof einmal aussehen. Die geschwungenen Bauten in der Bildmitte ...

  • ... bilden den "Erste Campus", einen Bürocluster mit Holz-Glas-Fassade. Er befindet sich seit kurzem in Bau. 
    visualisierung: zoom visual project gmbh

    ... bilden den "Erste Campus", einen Bürocluster mit Holz-Glas-Fassade. Er befindet sich seit kurzem in Bau. 

  • Auf diesem Rendering sieht man das neue Flagship-Haus von Motel One am Hauptbahnhof. Entwickelt wird das 533-Zimmer-Hotel von der Hamburger ECE Group. Die Architektur stammt vom Wiener Büro Holzbauer & Partner.
    visualisierung: faustmann renderings

    Auf diesem Rendering sieht man das neue Flagship-Haus von Motel One am Hauptbahnhof. Entwickelt wird das 533-Zimmer-Hotel von der Hamburger ECE Group. Die Architektur stammt vom Wiener Büro Holzbauer & Partner.

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