Deutscher wird neuer Bankier Gottes

15. Februar 2013, 16:43
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Nach neun Monaten hat die Vatikanbank mit Ernst von Freyberg einen neuen Präsidenten - Heiliger Stuhl will sich verstärkt um Finanztransparenz bemühen

Vatikanstadt/Rom - Nach neun Monaten hat die Vatikanbank IOR wieder einen Präsidenten. Der deutsche Banker Ernst von Freyberg sei von der dafür zuständigen Kardinalskommission gewählt worden, hieß es in einer Presseaussendung des Vatikan. Der Chefposten der Vatikanbank war seit dem Rücktritt von Ettore Gotti Tedeschi im vergangenen Mai vakant gewesen. Der Heilige Vater habe die Ernennung des neuen Präsidenten genehmigt.

Die Suche nach dem neuen Bankchef sei langwierig gewesen, berichtete der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi. Über 40 Kandidaten wurden einem strengen Auswahlverfahren unterzogen. Ende Mai war IOR-Chef Gotti Tedeschi entlassen worden. Hintergrund war offenbar ein interner Streit um die Art der Führung des wegen Geldwäschevorwürfen kritisierten Instituts. Seitdem hatte IOR-Vizepräsident Ronaldo Hermann Schmitz interimistisch die Bank geführt.

Lombardi betonte, dass von Freyberg die ideale Person für die Führung des IOR sei. Der 54-jährige Jurist und Ritter des Souveränen Malteserordens ist Präsident der großen Hamburger Schiffswerft Blohm+Voss, die auch Kriegsschiffe produziere, hieß es in Rom. Lombardi erwiderte, dass sich die Schiffswerft von der Sparte getrennt habe, die Kriegsschiffe produziere.

Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Steuerflucht

Der Vatikan werde weitere Schritte unternehmen, um sich den europäischen Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Steuerflucht anzupassen, erklärte Lombardi. Der Vatikan möchte nach mehreren Skandalen nicht in den Ruf eines dubiosen Finanzzentrums geraten. Unter anderem wurde eine interne Aufsicht eingeführt, die überprüfen soll, inwieweit die Vatikanbank internationalen Finanzvorgaben genügt. Allerdings kamen Fachleute des Europarats im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass der Heilige Stuhl den Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche noch nicht gerecht wird. Weitere Schritte seien erforderlich.

Papst Benedikt XVI. empfing unterdessen am Freitag den Staatspräsidenten des EU-Mitglieds Rumänien, Traian Basescu. Die Begegnung war bereits langfristig geplant, bevor Benedikt XVI. für 28. Februar seinen Amtsverzicht angekündigt hatte. Am Ende der 20-minütigen Audienz sagte das orthodoxe Staatsoberhaupt zum Papst: "Ich bete für Sie." Die Begegnung verlief nach Vatikanangaben in einem herzlichen Klima. Themen der Unterredung seien ein gemeinsamer Einsatz für die Werte in Europa sowie der Beitrag der katholischen Kirche im rumänischen Bildungssystem gewesen. Zudem hätten der Papst und Basescu die Lage der katholischen Minderheit sowie Integrationsfragen rumänischer Migranten im Ausland erörtert, teilte der Vatikan mit.

Am Rande der Audienz sprach Benedikt XVI. den Vatikan-Korrespondenten "für acht Jahre Dienst" seinen Dank aus. Er wandte sich dabei an die Vertreter der Vatikanischen Journalisten-Vereinigung AIGAV, die einen Teil der Begegnung beobachten konnten. Zuvor hatte die AIGAV-Vorsitzende, die US-Amerikanerin Cindy Wooden (Catholic News Service, CNS), dem Papst für "seine klare und vollständige Lehre" gedankt.

Der Papst traf auch Bischöfe aus der norditalienischen Region Ligurien, die sich auf Ad-limina-Besuch im Vatikan aufhielten. Begleitet wurden sie vom italienischen Episkopatschef Kardinal Angelo Bagnasco. (APA, 15.2.2013)

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    Ernst von Freyberg folgt Ettore Gotti Tedeschi.

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