Der Stern von Schladming

Porträt15. Februar 2013, 16:36
13 Postings

Siege bei einer WM in Super-G, Kombination und Riesentorlauf, das gelang noch niemandem vor Ted Ligety. Einen solchen Medaillenregen verspürte außerdem zuletzt nur Jean Claude Killy im Jahr 1968

Schladming - Ted Ligety ist seit Freitag endgültig der Superstar der alpinen Ski-WM in Schladming. Nach dem Super-G und der Super-Kombination gewann der 28-jährige US-Amerikaner auch in seiner Paradedisziplin Riesentorlauf die Goldmedaille. Drei Siege bei einer WM, das war zuletzt dem Franzosen Jean Claude Killy 1968 mit viermal Gold gelungen.

Ligety ist ein weiteres Beispiel für das perfekte Timing der US-Sportler für den Tag X bei Großereignissen. Bei Olympia 2006 in Turin hat Ligety Gold in der Super-Kombination erobert, dasselbe ist ihm dann fünf Jahre später bei der WM in Garmisch-Partenkirchen im Riesentorlauf gelungen. Zu seiner Sammlung hinzu kommt eine WM-Bronzene im Riesentorlauf 2009 in Val d'Isere.

Seine Allrounderqualitäten hat Ligety in Schladming eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Maß aller Dinge ist er aber vor allem im Riesentorlauf, in dem Konkurrenz, Experten und Fans regelmäßig aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen.

Hirscher schaut sich was ab

"Mr. Giant Slalom", der den Disziplinen-Weltcup 2008, 2010 und 2011 für sich entschieden hat, fährt mit seinen Head-Wunderwaffen Linien, von denen die anderen nur träumen. Selbst Österreichs Superstar Marcel Hirscher gesteht neidlos, dass er bei Ligety "abschaut", um halbwegs mit ihm Schritt halten zu können.

Begleitet von seinen Eltern Bill und Cyndi stieg Ted im Alter von zwei Jahren erstmals auf die Ski. Im Alter von zehn Jahren trat Ligety dem Skiclub seiner Heimat Park City bei, im Sommer vertrieb er sich die Zeit beim Fußballspielen, Wasserskifahren und Mountainbiken.

Ligetys Ski-Ergebnisse im Jugendalter waren zunächst mittelprächtig. Als 13-Jähriger startete er bei Jugend-Olympia, im Riesentorlauf hatte er als 73. 15 Sekunden Rückstand auf den Schnellsten. Das gab ihm aber lediglich die Portion Extramotivation, um noch härter an sich zu arbeiten. Inspiriert wurde Ligety vor allem von der Olympia-Goldfahrt von Tommy Moe 1994 in der Abfahrt in Lillehammer.

2002 schloss Ligety die Wintersportschule ab, wenig später wurde er in die US-Nationalmannschaft berufen. Zu seinem ersten Weltcup-Einsatz kam Ligety am 22. November 2003 ausgerechnet in Park City, im Riesentorlauf verpasste er die Qualifikation für den zweiten Durchgang. Die ersten Weltcup-Punkte fuhr er am 29. Februar 2004 als Slalom-23. in Kranjska Gora ein.

Weltcup-Sieg Nummer eins durfte Ligety - wenige Wochen nach seinem Olympia-Gold-Coup - am 5. März 2006 im Riesentorlauf in Yongpyong feiern. Seitdem ließ er 14 weitere (alle im Riesentorlauf) und nun einen Goldregen in Schladming folgen. (APA, 15.2.2013)

Die Bedeutung des dreifachen Ligety-Goldes:

  • Der fünfte Mann, der bei einer WM drei oder mehr Goldmedaillen gewonnen hat. Zuletzt hat das der Franzose Jean Claude Killy 1968, also vor 45 Jahren geschafft. Die vier vor Ligety waren der Österreicher Toni Sailer (1956: 4, 1958: 3), die Franzosen Killy (1968: 4) und Emile Allais (1937: 3) sowie der Norweger Stein Eriksen (1954: 3).
  • Der erste Nicht-Europäer, der das geschafft hat.
  • Als erster Skifahrer bei einer WM Gold in den Disziplinen Super-G, Super-Kombination und Riesentorlauf gewonnen.
  • In zwei seiner drei Gold-Bewerbe noch kein Weltcuprennen gewonnen. Alle 15 Weltcupsiege feierte er im Riesentorlauf.
  • Als sechster Fahrer und erster seit dem Österreicher Rudolf Nierlich (1989/91) seinen RTL-Titel erfolgreich verteidigt.
  • Der erste US-Skifahrer, der bei einer WM drei Goldene gewonnen hat. Andrea Mead-Lawrence (1952), Bode Miller (2003 und 2005) und Lindsey Vonn (2009) haben jeweils zwei geschafft.
  • Nun wie Bode Miller vier WM-Goldmedaillen. Das ist der US-Rekord.
  • Wie Miller, Vonn und Julia Mancuso nun insgesamt fünf WM-Medaillen.
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Golden Boy.

Share if you care.