Meteoriteneinschlag im Ural war ein relativ kleines Ereignis

15. Februar 2013, 15:47
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Christian Köberl: "Stehen im dauernden Kugelhagel der Meteorite und Asteroiden und Erde hat kein Schutzschild"

Wien - Bei dem Meteoriten-Einschlag im Gebiet Tscheljabinsk am Uralgebirge hat es sich nach Einschätzung des Impakt-Experten und Direktors des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien, Christian Köberl, um ein "relativ kleines Ereignis" gehandelt. Der Zwischenfall zeige aber deutlich, "dass wir selbstverständlich im dauernden Kugelhagel der Meteorite und Asteroiden im Sonnensystem stehen, und dass die Erde kein Schutzschild hat", sagte Köberl.

Der Fachmann für Impakt genannte Einschläge von Meteoriten und Asteroiden auf der Erde vergleicht den heutigen Einschlag mit dem "Tunguska-Ereignis" von 1908, bei dem die Explosion eines Asteroiden oder Kometen in der Atmosphäre ein Gebiet von 2.000 Quadratkilometern verwüstet hat. "Während Ereignisse wie Tunguska alle 1.000 bis 2.000 Jahre stattfinden, kann ein so kleines Ereignis wie heute mehrmals im Jahrhundert vorkommen", so Köberl.

Für Köberl sieht das Ereignis nach Sichtung der zahlreichen Videos im Internet "schon so aus wie eine typische Erscheinung eines großen Meteoriten, der in die Erdatmosphäre eindringt". Die Videos würden alle einen immer heller werdenden Feuerball zeigen, der dann eine maximale Helligkeit erreiche und darauf folgend mehrere Helligkeitsausbrüche. "Dort ist offensichtlich die Explosion erfolgt, der Meteorit in mehrere Stücke zerbrochen und man sieht auch, dass dann auch etwas weiterfliegt", so Köberl.

In einem der Videos sei auch eine Explosion und zersplitternde Fenster zu hören. Dass diese mit deutlicher Verzögerung im Vergleich zur Leuchterscheinung erfolge sei auch klar, "denn diese kommt mit Lichtgeschwindigkeit, während die Luftdruckwelle mit viel geringerer Geschwindigkeit deutlich später ankommt".

"... würden die Gebäude nicht mehr stehen"

Ein so großes Ereignis wie Tunguska sei es jedenfalls mit Sicherheit nicht gewesen. Schließlich seien nur ein paar Fenster zu Bruch gegangen, "wäre das so ähnlich wie Tunguska gewesen, würden die Gebäude nicht mehr stehen""Stehen im dauernden Kugelhagel der Meteorite und Asteroiden und Erde hat kein Schutzschild" , sagte Köberl. In Tunguska sei das Gebiet der totalen Zerstörung mit 2.000 Quadratkilometern deutlich größer als vergleichsweise Wien gewesen.

Köberl schätzt, dass es sich um ein rund 20 Meter großes relativ poröses Objekt gehandelt hat. "Das war schon hausgroß, aber bei weitem nicht so groß wie das Objekt von Tunguska, das mindestens 50 Meter hatte", so der Experte.

Angesichts zunehmender Erdbevölkerung seien aber auch kleinere solcher Ereignisse nicht ohne Konsequenzen. "Vor 100 Jahren hat dort in der Gegend noch kaum jemand gewohnt."

Köberl betont auch, dass ein Objekt dieser Größe von den momentan installierten Frühwarnsystemen und Suchprogrammen nicht wahrgenommen werden könnte, weil es viel zu klein sei. Derzeitige Systeme würden von Objekten größer als einen halben Kilometer ausgehen, man beginne erst damit Objekte mit 100 Meter und mehr zu suchen, wobei man sie meist erst dann finde, wenn sie in Erdbahnnähe sind. "Objekte in der Größenordnung wie der heutige Meteorit wird man auch in den nächsten 20 Jahren nicht entdecken können, weil man die dafür notwendigen Teleskope nicht finanzieren könnte. Von einer Abwehr ist man ohnedies noch viel weiter entfernt", so Köberl. (APA, 15.02.2013)

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