Österreich: Schub durch Freihandelsabkommen

15. Februar 2013, 14:51
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Von einem Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU könnte die heimische Wirtschaft überproportional profitieren

Wien/Washington - Die große Hoffnung liegt in einer massiven Belebung der österreichischen Exporte, was wiederum positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hätte. "Wir werden als Österreicher noch sehr viel mehr profitieren als die EU", sagte der Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Schneider. Mit dem Abkommen sei frühestens in ein bis zwei Jahren zu rechnen.

Die gesamtwirtschaftliche Wirkung für Österreich bezifferte der Wirtschaftspolitiker mit rund 5 Mrd. Euro - darin enthalten seien Investitionen, Waren, Dienstleistungen, Produktivitätssteigerungen, Beschäftigungseffekte, Löhne und Budgeteffekte, also Steuern.

Das Freihandelsabkommen würde auch die heimische Wertschöpfung steigern: Österreich könne mit einem geschätzten BIP-Zuwachs von etwa 1,75 Prozent rechnen - auch wenn dies "nicht über Nacht realisierbar" sei, sagte Schneider unter Verweis auf Daten des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Der Effekt ergebe sich über Investitionen, die wiederum auf die heimische Produktivität und in weiterer Folge auf die Beschäftigung wirke.

Exportabhängigkeit Österreichs

Schon jetzt sind die USA Österreichs drittwichtigster Exportmarkt - nach Deutschland und Italien. 2011 gingen 5,2 Prozent aller heimischen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten. In den ersten elf Monaten 2012 erzielte Österreich im bilateralen Warenaustausch einen Überschuss von 2,7 Mrd. Euro - Exporte in Höhe von 6,5 Mrd. Euro standen Einfuhren aus den USA von 3,8 Mrd. Euro gegenüber.

"Österreich ist sehr viel stärker vom Export abhängig als der Durchschnitt der anderen EU-Länder", betonte Schneider. Die Exportquote in Europa liege bei etwa 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), hierzulande sei sie etwa doppelt so hoch. Der heimische Außenhandel würde durch ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA viel deutlicher beflügelt als insgesamt in den europäischen Ländern, ist Schneider überzeugt.

"In den USA ist eine wesentliche Komponente des Wachstums die Investitionstätigkeit, die dort viel stärker ist als in Europa", so der Handelsexperte. Und der Großteil der österreichischen Exporte seien Investitionsgüter. "Wir würden uns da bei hochwertigen Güterklassen finden", so der Ökonom.

Bei Dienstleistungsprodukten und Dienstleistungen seien uns die Amerikaner allerdings voraus. Dank eines Freihandelsabkommens würden die USA in Österreich für positive Entwicklungsimpulse sorgen.

US-Präsident Barack Obama will der amerikanischen Wirtschaft in seiner zweiten Amtszeit einen kräftigen Schub verleihen. Dabei setzt er auf den internationalen Handel. In seiner jüngsten Rede zur Lage der Nation kündigte er diese Woche Gespräche über ein transatlantisches Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union an, um die US-Wirtschaft zu beleben. (APA, 15.2.2013)

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