Ligety unnachahmlich zum dritten Gold, silberner Hirscher

15. Februar 2013, 17:50
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Titelverteidiger Bester der Planai - Hirscher nimmt sich trotz gröberer Rückenprobleme Silber vor Manfred Mölgg

Schladming - "Normal bleibt man mit so was im Bett", sagte Marcel Hirscher (23), nachdem er nicht im Bett geblieben, sondern derjenige war, der Ted Ligety (28), dem unumstrittenen Chef im Riesenslalom und Superstar von Schladming, am härtesten zugesetzt hatte. Doch der US-Amerikaner, der mit überlegener Bestzeit im ersten Lauf den Grundstein zur erfolgreichen Titelverteidigung, zum dritten Gold nach Super-G und Superkombi auf der Planai gelegt hatte, war nicht zu erwischen.

Mit Bestzeit im zweiten Lauf fuhr Hirscher, zunächst Dritter und offenbar nicht mit dem idealen Ski unterwegs, auf den Silberplatz, Bronze gewann Italiens Manfred Mölgg (30). Norwegens Aksel Lund Svindal verpasste seine zwölfte Medaille bei Großereignissen um vier Hundertstel. Die anderen drei Österreicher blieben den Medaillen fern. Philipp Schörghofer wurde Achter, Benjamin Raich bei seiner achten WM Neunter, Marcel Mathis 13.

"Das war wahrscheinlich das härteste Rennen, das ich jemals gefahren bin. Um zwei Uhr in der Früh hab ich gedacht, ich kann liegen bleiben", kommentierte ein gezeichneter, weil übernachtiger Hirscher und berichtete, dass ihm der dritte Nackenwirbel herausgesprungen ist, was zusätzlich für Kopfschmerzen gesorgt habe. Schuld daran war ein Trainingssturz tags zuvor. Hirschers Erleichterung war gewaltig: "Schön, dass ich die großen Erwartungen der Leute erfüllen konnte." Und seine natürlich auch.

35.000 im Zielstadion sahen zu, und sie zollten, wie schon bei seinen ersten beiden Triumphen, Herrn Ligety großen Respekt. Im Resultat spiegelt sich auch die bisherige Saison wider. Ligety gewann vier Riesenslaloms, Hirscher den fünften. Insgesamt holte Ligety dreimal den Riesenslalom-Weltcup, Hirscher einmal, im Vorjahr, als er auch den Gesamtweltcup gewann, den er den "depperten Glasbecher" genannt hat, und dem er auch heuer wieder auf der Spur ist.

Obama ruft nicht an

Ligety ist der erste US-Amerikaner, der drei Goldene bei einer WM gewinnt. Und der zweite Riesenslalom-Champion seit Rudi Nierlich selig, der seinen Titel erfolgreich verteidigt. Auch bei der Schladminger WM 1982 ging der Riesenslalomtitel an die USA, an Steve Mahre. Ligety ist gewillt, bei der WM 2015 in Vail / Beaver Creek, Colorado, den Hattrick zu schaffen. Von daheim in Park City, Utah, sind es rund sechs Autostunden zu den WM-Pisten.

"Verrückt, unglaublich, dass ich jetzt zu den Legenden in diesem Sport gehöre", sagte Ligety, "Barack Obama hat mich aber noch nicht angerufen." Dafür hat Hirscher gratuliert und seine grüne Haube gezogen. Und als Ligety gefragt wurde, wie er schaffe, seine Ski stets unter Kontrolle zu haben, antwortete er: "Das ist eine optische Täuschung. Ich bin weit davon entfernt, die Ski unter Kontrolle zu haben. Sie sagen mir nur, wo ich hinfahren muss." Und seine ersten beiden Goldenen hätten ihm gar nicht geholfen. "Es war sogar noch schwieriger. Mein größtes Ziel, Gold im Riesenslalom, lag ja noch vor mir. Jetzt liegt es hinter mir."

In den abschließenden Slalom am Sonntag schickt der ÖSV Routiniers im Siegen auf der Planai. Raich ist mit vier Triumphen Rekordler beim Night-Race, Hirscher gewann im Vorjahr, Mario Matt und Manfred Pranger schafften das jeweils zweimal.

"Am Samstag geh ich Slalom trainieren", sagt Hirscher, der in dieser Saison vier Torläufe gewonnen hat. "Das ist die beste Therapie." Zum Rennen sagt er: "Es wird das Erste hier, in dem ich frei von Druck bin." (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 16./17.2.2013)

 

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    Ted Ligety, sagt Ted Ligety, hat seine Ski nicht unter Kontrolle: "Das ist eine optische Täuschung."

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    Marcel Hirscher frohlockt über Silber. Am Sonntag strebt der Salzburger nach Slalomgold.

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