Nicht Anwesenheit, sondern Leistung zählt

15. Februar 2013, 17:10
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Ohne klare Regeln, Zielvorgaben und Vertrauen seien Führungspositionen in Teilzeitarbeit nicht zu bewältigen

Sind Führungsposition und Teilzeit vereinbar? Grundsätzlich ja. Nicht zuletzt auch deshalb, weil dieses Arbeitszeitmodell an Bedeutung gewinnen werde - es gehe um Talente, gleichwohl welchen Geschlechts, die es zu finden und vor allem zu halten gelte. Teilzeit dürfe nicht im " Karriereknick" enden.

Diesen Mittwoch wurde im zweiten Wolf Theiss Forum Gender Diversity die Vereinbarkeit von Führungsposition und Teilzeitmodellen diskutiert und über Chancen und Hürden gesprochen. Mit Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst, Doris Tomanek, Vorstandsdirektorin der UniCredit Bank Austria, Bettina Glatz-Kremsner, Vorstandsdirektorin Casinos Austria und Österreichische Lotterien, sowie Tatjana Oppitz, Generaldirektorin IBM Österreich, war das Panel hochkarätig besetzt - moderiert wurde das Gespräch von Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid.

Führungskräfte, die ihre Arbeit in Teilzeit ableisten, seien zurzeit noch die Ausnahme von der Regel. In der UniCredit Bank Austria, die in Österreich rund 10.000 Mitarbeiter zählt, seien 20 Führungskräfte Teilzeit angestellt, so Doris Tomanek. Alles Frauen - ein weiteres Spezifikum des Arbeitsmodells. Heinisch-Hosek konnte sich im öffentlichen Dienst keiner einzigen Führungsposition in Teilzeit entsinnen: "Ich würde es befürworten, aber ich glaube, es gibt keine." Nach wie vor, das als eine Conclusio des Gesprächs, werde das mittlerweile volkswirtschaftlich hoch relevante Thema von Frauen in Führungspositionen - und eben auch in Teilzeit - auf einer moralischen Ebene diskutiert. Das "schlechte Gewissen" als Führungsfrau und Mutter war ebenso Thema der Debatte wie die immer wieder gestellte leidige Frage nach dem Wie der Vereinbarkeit von Topjob und Kindern.

Verstaubte "Präsentitis"

Bettina Glatz-Kremsner, die das Beispiel eines Bereichsleiters in ihrem Unternehmen aufzeigte, der in Teilzeit gehen werde, um seine Eltern zu pflegen, sprach ein altbekanntes soziokulturelles Phänomen an: "Das größte Problem steckt vor allem in den Köpfen", zu sehr sei man tradierten Mustern verhaftet. Ein österreichisches Phänomen, waren sich die Diskutantinnen einig. Ebenso, ergänzt Tatjana Oppitz, wie jenes der Anwesenheitskultur und der daraus fälschlich angenommenen Kontrolle von Leistung. Oppitz: "Ich halte es in diesen Zeiten zum Beispiel für ein absolutes No-Go, einer qualifizierten Teilzeitkraft keinen Teleworking-Platz zur Verfügung zu stellen. Es geht um die Leistung, nicht darum, von wo aus diese erbracht wird."

Nicht zuletzt sei wichtig zu erwähnen, so Heinisch-Hosek, dass Teilzeit für Führungskräfte meist nur kurzfristig in Anspruch genommen werde - und es sich in den meisten Fällen um einen, maximal zwei Arbeitstage die Woche weniger handle. Bekannt sei ja, dass Männer, die in Teilzeit gehen, diese zu Weiterbildungszwecken nutzen, während sich Frauen der Kindererziehung widmen würden, so die Bundesministerin spitz. Der Druck auf Männer, ausschließlich Vollzeit arbeiten zu müssen, solle ebenso relativiert werden wie die Quasi-Teilzeitverpflichtung von Frauen etwa bei Familiengründung, so Heinisch-Hosek weiter.

Ein funktionierendes Teilzeitmodell für Führungskräfte könne nur mit einer guten Top-down-Strategie gelebt werden, es müsse klare Regeln und Vorgaben geben, ebenso wie großes Vertrauen in die Führungskräfte und ihre Teams. Und ganz wichtig: Role-Models vor den Vorhang holen. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 16./17.2.2013)

  • Führungspositionen in Teilzeit? Eine reine Organisations- und Haltungsfrage. Es diskutierten (v. li.): Bettina Glatz-Kremsner (Casinos Austria, Österreichische Lotterien), Tatjana Oppitz (IBM Österreich), Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Doris Tomanek (UniCredit Bank Austria). Moderation: STANDARD- Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid.
    foto: standard/hendrich

    Führungspositionen in Teilzeit? Eine reine Organisations- und Haltungsfrage. Es diskutierten (v. li.): Bettina Glatz-Kremsner (Casinos Austria, Österreichische Lotterien), Tatjana Oppitz (IBM Österreich), Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Doris Tomanek (UniCredit Bank Austria). Moderation: STANDARD- Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid.

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