Berlusconi und Monti schenken einander nichts

15. Februar 2013, 13:24
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Monti wirft Berlusconi vor, er habe Italien lächerlich gemacht - Medienzampano wird untergriffig und wirft dem Wirtschaftsprofessor "Bösartigkeit" vor

Rom - Der Wahlkampf für die italienische Parlamentswahlen am 24. und 25. Februar tritt in die Endphase. Genau eine Woche vor dem offiziellen Ende der Wahlkampagne kam es am Freitag zu einem vehementen Schlagabtausch zwischen dem scheidenden Premier Mario Monti, der im Wahlkampf einen Zentrumsblock unterstützt, und seinem Vorgänger Silvio Berlusconi, Chef der Mitte-rechts-Allianz. Den Ton gab Monti an, der den Medienzaren in einem TV-Interview beschuldigte, mit seinen Privatskandalen und seinem exzentrischen Verhalten Italien auf internationaler Ebene lächerlich gemacht zu haben. Berlusconis Verhalten sei einer öffentlichen Persönlichkeit unangemessen, was dem Land zutiefst geschadet habe, sagte Monti.

Der Wirtschaftsprofessor attackierte Berlusconi auch wegen seiner umstrittenen Behauptung vom Donnerstag, es sei normal, dass große Konzerne in Schwellenländern Schmiergelder zahlen, um sich von deren Regierungen Aufträge zu sichern. Seine Regierung habe ein Gesetz zur Bekämpfung der Korruption verabschiedet, erklärte Monti. Sein Ziel sei es jetzt, in der neuen Legislaturperiode das Vergehen der Bilanzfälschung strenger zu bestrafen.

Im Gegensatz zu Berlusconi versuche er nicht mit unmöglichen Wahlversprechen die Gunst der Wählerschaft zu gewinnen, betonte der Ex-EU-Kommissar. Sollte sein Zentrumsblock die Wahlen gewinnen, würde er nicht wie sein Vorgänger im Wahlkampf versprochen hatte, die unpopuläre Immobiliensteuer IMU zurückerstatten. "Ich würde sie jedoch senken", versicherte Monti.

Berlusconi erwiderte mit persönlichen Attacken gegen Monti. "Er hat eine Boshaftigkeit, die aus jeder seiner Aussagen hervorsprudelt. Wir haben alle Monti überschätzt. Er hat auf seine Rolle als parteiunabhängiger Fachmann verzichtet und ist in die Politik eingestiegen", erklärte Berlusconi. Monti sei "verzweifelt". "Wir sind vorn im Rennen und bin überzeugt, dass wir gewinnen werden. Montis Zentrumsblock wird dagegen nicht auf zehn Prozent der Stimmen kommen", versicherte der TV-Tycoon.

Berlusconi warf Deutschland Einmischung in den italienischen Wahlkampf vor. "Deutschland behandelt uns als Kolonie", kritisierte der TV-Zar. (APA, 15.2.2013)

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    Silvio Berlusconi im Angriffsmodus.

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