50-Meter-Asteroiden schlagen alle paar 100 Jahre auf Erde ein

15. Februar 2013, 12:28
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Größter Impaktkrater entstand vor etwa 2 Mrd. Jahren im heutigen Südafrika - Täglich rieseln rund 1.000 Tonnen kosmischer Staub auf die Erde

Wien – Rein statistisch schlägt alle paar 100 Jahre ein Objekt mit der Größe von "2012 DA14" auf der Erde ein. Zuletzt explodierte 1908 beim "Tunguska-Ereignis" ein Meteorit mit einem Durchmesser von 30 bis 50 Metern knapp über dem Erdboden in Sibirien und fällte dabei Millionen Bäume auf einer Fläche von 2.000 Quadratkilometern.

In der "Earth Impact Database" (EID), der von Wissenschaftern allgemein akzeptierten Quelle, sind derzeit 183 nachgewiesene Einschlagkrater auf der Erde angeführt, erklärte der Spezialist für "Impact" genannte Meteoriten-Einschläge, Christian Köberl, Direktor des Naturhistorischen Museums Wien, gegenüber der APA. Asteroiden verschiedener Größen haben zu allen Zeiten auf der Erde eingeschlagen, viele Krater sind allerdings wegen tektonischer Verschiebungen und der Erosion nicht mehr zu sehen bzw. liegen unerkannt unter den Ozeanen.

Vredefort-Krater

Der größte und gleichzeitig auch älteste momentan auf der Erde bekannte Asteroidenkrater befindet sich etwa 120 Kilometer südwestlich von Johannesburg in Südafrika. Der ursprüngliche Durchmesser des Vredefort-Kraters lag laut Köberl bei 250 bis 300 Kilometer. Gebildet wurde er durch den Einschlag eines Asteroiden mit etwa zehn Kilometern Durchmesser vor mehr als zwei Milliarden Jahren.

Auf Platz zwei der Impakt-Hitliste rangiert das Sudbury-Becken oberhalb der Nordküste des Huronsees in der kanadischen Provinz Ontario. Das Becken ist eigentlich ein Krater mit ursprünglich etwa 200 bis 250 Kilometern Durchmesser, der vor ungefähr 1,8 Mrd. Jahren beim Einschlag eines rund zehn Kilometer großen Asteroiden entstand.

Der wohl berühmteste Großkrater ist der Chicxulub-Krater im Untergrund der mexikanischen Halbinsel Yucatan. Da er unter mächtigen Sedimentgesteinen begraben ist, ist er kaum erodiert, sein momentaner Durchmesser beträgt etwa 180 Kilometer – damit liegt er auf Platz drei der größten Ereignisse. Der Impact eines ebenfalls ungefähr zehn Kilometer großen Asteroiden war vor etwa 65 Mio. Jahren nicht nur der Auslöser des Aussterbens der Dinosaurier, sondern auch eines Großteils aller Lebewesen auf der Erde.

Vor etwa 35 Mio. Jahren entstand im nördlichen Sibirien der Popigai-Krater. Er wies vor dem Beginnen der Erosion mit ca. 100 Kilometern einen ähnlichen Durchmesser auf wie der Manicouagan-Krater etwa 800 Kilometer nordöstlich von Montreal (Kanada). Ab Platz sechs wird es laut Köberl immer schwieriger, sich auf eine genaue Abfolge festzulegen, da die genauen Ausmaße aufgrund der Verwitterungsprozesse nur schwer einschätzbar seien.

Kein Einschlagskrater in Österreich bekannt

Auf österreichischem Staatsgebiet ist laut Köberl bisher kein Einschlagkrater bekannt. Dennoch sind auch hierzulande schon Meteoriten vom Himmel gefallen – insgesamt sind sieben bekannt – und alle im Meteoritensaal des NHM zu sehen. Bei vier davon wurde der Fall beobachtet, bei dreien nur die Überreste gefunden. Die Gesamtmasse der österreichischen Meteoriten beträgt laut NHM 45 Kilogramm.

Der Österreich am nächsten gelegene Einschlagskrater ist das Nördlinger Ries, das vor 14,8 Mio. Jahren durch einen 1,2 Kilometer großen Steinmeteorit entstand. Der ungefähr 24 Kilometer große Krater im Grenzgebiet zwischen Schwäbischer Alb und Fränkischer Alb in Süddeutschland zählt zu den am besten erhaltenen Überbleibseln eines derartigen Einschlags.

Der "Hoba-Meteorit" ist das bisher größte auf der Erde gefundene derartige Objekt, das keinen Krater geschlagen hat. Der rund 60 Tonnen schwere Eisenmeteorit fiel vor ca. 80.000 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Namibia vom Himmel, wurde beim Durchgang durch die Atmosphäre aber so stark abgebremst, dass er beim Auftreffen keinen Schaden anrichtete.

Seltene Ereignisse

Je größer der Asteroid, desto unwahrscheinlicher ist ein Einschlag auf der Erde: Muss man alle paar hundert Jahre mit einem Einschlag eines Objekts von der Größe von "2012 DA14" rechnen, sind Einschläge von Brocken von 500 bis 5.000 Metern Durchmesser bereits deutlich seltener, ihre Häufigkeit wird zwischen 70.000 und sechs Millionen Jahre geschätzt. Laut Hochrechnungen muss auf dem Festland etwa alle zwei bis drei Millionen Jahre mit einem Einschlag mit einem Krater von 20 Kilometern Größe gerechnet werden.

Im Gegensatz zu diesen seltenen Ereignissen rieseln täglich rund 1.000 Tonnen kosmischer Staub vom Himmel – in Form zahlloser kleinster Partikel, die oft gar nicht die Erde erreichen und im besten Fall als schöne Sternschnuppe am Nachthimmel wahrgenommen werden. (APA/red, derStandard.at, 15.02.2013)

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