Die Furcht vor Grillo wächst

Blog15. Februar 2013, 09:48
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Nach Überzeugung der Demoskopen schöpft der Komiker Beppe Grillo in allen Lagern ab, vor allem bei enttäuschten Lega-Wählern

Eine Woche vor der italienischen Parlamentswahl wächst unter den traditionellen Parteien die Furcht von Beppe Grillos Fünf-Sterne-Bewegung. Unbeirrt tourt der Komiker durch Italien. Die Plätze sind voll - auch bei Schneetreiben wie in Mantua.

Am Samstagabend tritt Grillo erstmals im Fernsehen auf und lässt sich auf Sky interviewen. Sollte die Fünf-Sterne-Bewegung die 20-Prozent-Marke erreichen, könnte sie alle Rechenspiele über den Haufen werfen und dafür sorgen, dass im Senat kein Lager über eine regierungsfähige Mehrheit verfügt. Nach Überzeugung des Wahlforschers Roberto D'Alimonte könnten in der letzten Woche die zwei großen Populisten noch leicht zulegen: Beppe Grillo und Silvio Berlusconi. "Das sind die, die Wähler in Umfragen nicht so gerne nennen." 

Sogar in der Abgeordnetenkammer könnte die bisher für sicher gehaltene Mehrheit der Linksallianz kippen. Nach Überzeugung der Demoskopen schöpft Grillo in allen Lagern ab, vor allem bei enttäuschten Lega-Wählern. Was aber will Grillos Bewegung?

Einige Punkte aus ihrem Programm:

Abschaffung der Provinzen

Abschaffung der Parteienfinanzierung

Fusion der Kleingemeinden unter 5.000 Einwohnern

Beschränkung auf zwei Mandate in allen Volksvertretungen

Abschaffung aller Privilegien und Gehaltskürzung für Parlamentarier

Einführung der class action

Obligatorische Wärmedämmung aller Gebäude nach dem Vorbild Südtirols

Energiesparprogramm

Förderung von alternativen Energien und Biogas

Verbot des Baus neuer Müllverbrennungsanlagen

Abschaffung der Presseförderung und der Journalistenkammer

Verbreitung des Internets und Abschaffung der Urheberrechte

Maßnahmen gegen Börsenspekulation

Förderung des öffentlichen Verkehrs und Bau von Fahrradwegen

Einstellung der Arbeiten für die Hochgeschwindigkeitsstrecke Turin-Lyon

Ausbau der Pendlerzüge

Öffentliche Wartelisten in Krankenhäusern

Obligatorische Internet-Nutzung in Schulen und Elimierung der Schulbücher

Kostenlose Italienischkurse für Immigranten

Arbeitslosenunterstützung und staatlicher Mindestlohn

Abschaffung der staatlichen Förderung von Privatschulen

Fördermittel für Forschung an den Universitäten

Abschaffung aller Monopole (Autobahnen, Eisenbahn, Telefon, Strom, Gas ...)

(Gerhard Mumelter, derStandard.at, 15.2.2013)

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    Populist Grillo weiß zu locken.

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