Verletztenzahl nach Meteoritenregen im Ural steigt auf fast 1.000

15. Februar 2013, 10:41
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Gesteinsbrocken fielen laut Augenzeugen wie Feuerbälle auf die Erde

Moskau - Beim Einschlag eines Meteoriten im Uralgebirge im mittleren Westen Russlands sind Freitagvormittag etwa 1000 Menschen verletzt worden, davon mehr als 200 Kinder. Die meisten Menschen seien von Scherben zersplitterter Scheiben getroffen worden, teilte am Freitag das Gesundheitsministerium der Stadt Tscheljabinsk der Agentur Interfax zufolge mit. Mehr als 40 Menschen müssten im Krankenhaus behandelt werden, zwei von ihnen seien schwer verletzt.

Gesteinsbrocken seien wie Feuerbälle auf die Erde gefallen, die Druckwelle habe Fensterscheiben zerstört, berichtete ein Reuters-Korrespondent aus Tscheljabinsk, etwa 1.500 Kilometer östlich von Moskau. Der Meteorit zischte über den Horizont und hinterließ eine lange weiße Rauchwolke, die sogar im 200 Kilometer entfernten Jekaterinburg zu sehen war.



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Das russische Katastrophenschutzministerium sprach von einem "Meteoritenregen in Form von Feuerbällen". Die Stadtverwaltung von Tscheljabinsk rief die Bevölkerung auf, in den Häusern zu bleiben.

"Dann gab es einen Blitz"

Nach Behördenangaben war gegen 9.20 Uhr ein Knall in rund 10.000 Meter Höhe zu hören. "Dann gab es einen Blitz, ich sah ein Rauchfahne am Himmel und spürte die Druckwelle, die Fensterscheiben eindrückte", sagte Andrej, der seine Freundin an einer Bushaltestelle in Tscheljabinsk verabschiedete. Alarmanlagen von Autos gingen los, und Mobiltelefone funktionierten nicht mehr richtig. "Ich war auf dem Weg zur Arbeit, und es war noch dunkel", sagte der 36-jährige Viktor Prokofjew aus Jekaterinburg. "Aber plötzlich war es taghell, und ich fühlte mich wie von Scheinwerfern geblendet."



Meteoriteneinschlag bei Tscheljabinsk auf einer größeren Karte anzeigen


Teile des Meteoriten sollen auch in einer Schule von Tscheljabinsk eingeschlagen sein, auch dort wurden Menschen durch zerborstenes Glas verletzt. Die Behörden ordneten die Schließung aller Schulen in der Region an.

Atomanlagen nicht betroffen

Die Meteoritenteile seien in zahlreiche Häuser eingeschlagen und hätten Dächer und Scheiben zertrümmert, hieß es. Das Leben in der Region gehe aber seinen gewohnten Gang, teilte die Gebietsregierung mit. Wegen der Schäden sollten Betriebe und Einrichtungen ihre Mitarbeiter nach Möglichkeit zum Helfen nach Hause schicken, hieß es in einer Mitteilung der Verwaltung.

 

Atomanlagen der Gegend seien nicht betroffen, teilte der Staatskonzern Rosatom laut Agenturberichten mit. Der stellvertretende Regierungschef Dmitri Rogosin sprach sich für eine internationale Initiative zur Errichtung eines Schutzsystems aus, mit dem nicht nur frühzeitig vor gefährlichen Objekten aus dem Weltall gewarnt, sondern diese auch zerstört werden können.

Keine Möglichkeit zur Abwehr

Weder Russland noch die USA hätten derzeit die Möglichkeit zur Abwehr solcher Objekte, sagte Rogosin, der innerhalb der Regierung für Raumfahrt zuständig ist. Eine Kommission der russischen Rüstungsindustrie werde sich nun mit dieser Frage befassen.

Am Freitagabend wird auch die Rekordannäherung des Asteroiden "2012 DA14" erwartet. Auch wenn der rund 50 Meter große Asteroid mit dem Fernglas zu sehen sein wird, sehen Astronomen keine Kollisionsgefahr. Er soll in rund 28.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeifliegen. (APA/Reuters, 15.2.2013)

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    Der Meteoritenschauer ging in der Gegend um die Stadt Tscheljabinsk nieder. Hier geht es zu Videos vom Meteoriten über Russland.

  • Gesteinsbrocken und eine massive Druckwelle sorgten zum Teil für schwere Zerstörungen, wie etwa bei dieser Zinkfabrik.
    foto: epa/eugeny khazheev

    Gesteinsbrocken und eine massive Druckwelle sorgten zum Teil für schwere Zerstörungen, wie etwa bei dieser Zinkfabrik.

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    Auch zahlreiceh Geschäfte und andere Gebäude wurden in der Industriestadt, die rund 1.500 Kilometer östlich von Moskau liegt, beschädigt.

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    Die Fenster in dieser Sporthalle konnten der Druckwelle ebensowenig standhalten.

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    Ein Mann wurde von Glassplittern getroffen, er wurde in einem Spital in Tscheljabinsk behandelt.

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    Rauchschwaden sind über einem Wohnblock zu sehen.

  • Der mögliche Einschlagsort des Meteoriten liegt im Tscherbakul See, rund 80 Kilometer von Tscheljabinsk entfernt. Der Durchmesser des Lochs beläuft sich auf etwa acht Meter.
    foto: epa/chelyabinsk region branch

    Der mögliche Einschlagsort des Meteoriten liegt im Tscherbakul See, rund 80 Kilometer von Tscheljabinsk entfernt. Der Durchmesser des Lochs beläuft sich auf etwa acht Meter.

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