"Gefangener X" dementierte laut Reporter Spionage-Tätigkeit

15. Februar 2013, 05:58
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Anwalt zweifelt an Selbstmord in israelischem Gefängnis

Sydney/Jerusalem - Der Fall des israelischen "Gefangenen X" bleibt mysteriös. Der Mann, der 2010 in einem israelischen Gefängnis tot aufgefunden wurde, stritt nach Angaben eines Journalisten eine Tätigkeit als Spion ab. Sein Anwalt versicherte zudem am Donnerstag, dass der Mann kurz vor seinem angeblichen Selbstmord emotional stabil gewirkt habe. In Israel gilt für den Fall weiterhin eine Nachrichtensperre.

Der Reporter Jason Koutsoukis sagte dem australischen TV-Sender ABC, er habe drei- bis viermal mit dem Mann gesprochen. Während der Interviews habe er die Vermutung geäußert, dass sein Gesprächspartner israelischer Spion sei. Dies habe der Mann "so energisch, wie er nur konnte", zurückgewiesen, sagte Koutsoukis.

Strenge Isolationshaft

Laut ABC handelte es sich bei dem Ende 2010 verstorbenen Mann um den gebürtigen Australier Ben Zygier. Die Interviews sollen kurz vor seiner Verhaftung durch israelische Sicherheitskräfte geführt worden sein. Koutsoukis sagte, er habe im Oktober 2009 aus australischen Geheimdienstkreisen einen Hinweis auf drei Menschen mit doppelten Staatsbürgerschaften erhalten, die verdächtigt wurden, unter Nutzung ihrer australischen Pässe in Ländern wie Syrien, dem Iran und dem Libanon für Israel zu spionieren.

ABC hatte in dieser Woche erstmals über die mutmaßliche Identität des "Gefangenen X" berichtet. So hatten israelische Medien den Mann genannt, da von ihm zunächst nur bekannt war, dass er im Hochsicherheitsgefängnis in strenger Isolationshaft saß, dass nicht einmal die Wärter seine Identität erfuhren und dass er sich Anfang 2010 in seiner Zelle erhängt haben soll.

Anwalt zweifelt an Selbstmord

Der Anwalt Avigdor Feldman, der Zygier kurz vor dessen Tod im Gefängnis besucht hatte, bezweifelt dies jedoch. Er habe im Gespräch nie den Eindruck gehabt, "dass es sich um eine Person handelt, die am Rande des Selbstmords steht", sagte er der Nachrichtenagentur AFP in Eilat. Zygier sei "emotional stabil" gewesen. Wegen der Haftbedingungen sei sein Mandant zwar "unruhig" gewesen, aber weder "emotional zerstört" noch depressiv, sagte Feldman. "Ich war völlig erstaunt, als ich von seinem Tod erfuhr." Zygiers Inhaftierung im Hochsicherheitsgefängnis nannte der Anwalt "eine Übertreibung".

Das israelische Justizministerium hat zu dem Fall bisher lediglich eingeräumt, dass ein Mann, der in Israel wohnte, aber auch eine weitere Staatsbürgerschaft besaß, aus Sicherheitsgründen unter falscher Identität inhaftiert gewesen sei. Laut ABC war Zygier 2001 als Ben Alon nach Israel ausgewandert. Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad habe ihn als Agenten angeworben. Anfang 2010 sei Zygier im Hochsicherheitsgefängnis Ayalon inhaftiert worden. Die Gründe dafür sind unbekannt; zum Prozess kam es nicht. Laut einem Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Melbourne starb Zygier am 15. Dezember 2010 im Alter von 34 Jahren. (APA, 15.2.2013)

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