Pröll in Schwechat: Enthusiasmus in Blau-Gelb

14. Februar 2013, 21:39
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"Rennen, rennen, rennen" - das fordert Erwin Pröll bis zur Niederösterreich-Wahl am 3. März von den Funktionären

Schwechat - Erwin Pröll betritt die Halle. Jetzt gibt's kein Halten mehr. 349 Landtagskandidaten waren zuvor ins Multiversum in Schwechat eingezogen, wo sie von gut 4000 VP-Fans, angetan mit blau-gelben Schals, enthusiasmiert empfangen wurden. Wie bei der Inauguration von US-Präsident Ba rack Obama darf dann eine Frau a cappella die Hymne vortragen. Statt Beyoncé tut dies Nina Schwarzott, Teilnehmerin einer ORF-Castingshow, statt "Star-Spangled Banner" singt sie "Oh Heimat, dich zu lieben". Es ist nicht die einzige US-Anleihe beim Wahlkampfauftakt der niederösterreichischen VP. Große Videowalls, große Emotionen, eine Choreografie bis ins letzte Detail.

Im gut eingeübten Hart-zart-Paarlauf obliegt es Landesgeschäftsführer Gerhard Karner und dem Landeshauptmann selbst, die Funktionäre für den Wahlkampf zu motivieren. Ein erstes Video zeichnet ein dräuendes Horror-Szenario: Berichte über Euro- und Regierungskrise sowie Umfragen, laut denen die VP die absolute Mehrheit verlieren könnte. Dazu Bilder von der Konkurrenz. "So dreckig war der Wahlkampf noch nie", ist Karner überzeugt.

Keine leisen Töne

Er ist selbst nicht unbedingt der Meister der leisen Töne, vor allem dann nicht, wenn es gegen die "siamesischen Vierlinge" geht. So nennt Karner die Konkurrenten von SP, FP, Grünen und dem Team Stronach, die nur versuchen würden, "den Landeshauptmann anzupatzen".

Stimmungswechsel. Ein Video zeigt den Landeshauptmann im Einsatz: im Gespräch mit Angela Merkel und Arnold Schwarzenegger, beim Regieren und Champa gnisieren, mit Kindern und Hunden. Das alles war freilich nur die Startrampe für die gut halbstündige Ansprache von Pröll selbst.

Dabei träumt er von einem niederösterreichischen Nobelpreisträger, preist die Sozialleistungen des Landes, versichert den Bauern seine Solidarität. Mit seinen Gegnern hält sich Pröll nicht lange auf, nur Frank Stronach bekommt ordentlich sein Fett weg, da wird sogar gereimt. "Wir setzen uns zur Wehr, Herr Milliardär."

Ein Funktionär in jedem Wirtshaus

Und dann ruft Pröll seinen schwarzen Funktionären noch die wichtigste Botschaft des Abends entgegen: "Es heißt rennen, rennen, rennen. Es darf kein Haus geben, keinen Platz, kein Wirtshaus, wo nicht jemand von uns war, um den Leuten zu sagen, was auf dem Spiel steht."

"Steht auf für Niederösterreich, geht raus für Niederösterreich", singt die Halle am Ende. Danach gibt's Würstel. Die Mobilisierungsübung dürfte gelungen sein. (hei, DER STANDARD, 15.2.2013)

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    Große Videowalls, große Emotionen: Erwin Pröll schickt seine Funktionäre in den Wahlkampf.

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