Ond & Baja

19. Februar 2013, 16:32
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Conrad Seidl über eine neue slowenische Brauerei im steirischen Bad Radkersburg

Wer eine neue Brauerei gründen will, hat mannigfaltige Schwierigkeiten zu überwinden. Und er muss sich eine grundsätzliche Frage gefallen lassen - oder sie sich ehrlicherweise selber stellen: Wozu eigentlich noch eine Brauerei - gibt es nicht schon genug Bier auf dieser Welt?

Tatsächlich gibt es - zumindest in Mitteleuropa - wesentlich mehr Braukapazität als benötigt wird, um einen stagnierenden Bierdurst zu stillen.

Und es gibt mehr als genug helle, mehr oder weniger leichte Lagerbiere in perfekter industrieller Qualität zu ziemlich moderaten Preisen auf dem Markt. Wer mit einer neuen Brauerei antritt, darf nicht einfach ein konventionelles Märzen mit bescheidenerem technischem Standard brauen, er muss etwas radikal anderes bieten. Aber das braucht wiederum Mut, denn die Kundschaft für Ales, Stouts und andere Spezialitäten setzt sich eben nicht aus den üblichen Joe Sixpacks zusammen. Wenn das geklärt ist, geht es daran, eine Brauerei einzurichten.

Bürokratie

Vasja Golar, ein junger slowenischer Hobbybrauer, hat da so seine Erfahrungen gemacht: "Wenn Ihr in Österreich über Bürokratie klagt, dann schaut einmal nach Slowenien." Dort sei es ihm unmöglich erschienen, eine moderne Ale-Brauerei einzurichten - weshalb Golar in die benachbarte Steiermark ausgewichen ist. So hat Bad Radkersburg seit einigen Wochen eine Microbrewery, die keinen Vergleich mit ihren amerikanischen Vorbildern zu scheuen braucht.

Lager, Pils, Märzen - das gibt es dort natürlich nicht. Dafür ein Smoked Porter namens Ond, das das Rauchmalz (von Weyermann in Bamberg) gerade andeutungsweise schmecken lässt, ohne den erfrischenden Porter-Charakter zu übertönen. Dabei ist dieses Bier mit 6,3 Prozent durchaus von der kräftigen Art. Was fängt man mit so einem Bier an? Es passt ideal zu allen Gerichten, in denen Speck oder Selchfleisch vorkommen - es mag unkonventionell erscheinen, aber es entspricht andererseits der englischen Tradition, Porterbiere zu herzhaften Fleischspeisen zu trinken, sie schmecken dazu ja auch viel besser als unsere hellen Biere.

Als zweites Bier wurde das Baja eingebraut - ein mit 5,8 Prozent nur unwesentich leichteres Oatmeal Stout, das sich mit Kaffee- und Schokoladenaromen zum Dessert empfiehlt. Beide Biere werden vor allem für den slowenischen Markt gebraut, demnächst soll es sie aber auch in Wien im Känguruh in der Bürgerspitalgasse geben. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 15.2.2013)

  • Das Smoked Porter namens Ond passt ideal zu allen Gerichten, in denen Speck oder Selchfleisch vorkommen.

    Das Smoked Porter namens Ond passt ideal zu allen Gerichten, in denen Speck oder Selchfleisch vorkommen.

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