Wenn Brüssel fördert, macht sich Eisenstadt auf den Weg

14. Februar 2013, 19:17
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Das Burgenland besuchte Budapest, weil es in Gyor oder Szombathely niemanden zum Reden findet

Budapest/Eisenstadt - Die europäischen Binnengrenzen zwischen föderalistisch und zentralistisch verfassten Staaten sind - vor allem für die föderalistischen - eine ziemliche Herausforderung. Das Burgenland, das in dieser Woche mit einer hochrangigen Delegation Budapest besucht hat, weiß davon ein ziemlich langes Lied zu singen. Eines der Delegationsmitglieder brachte es auf den sarkastischen Punkt: "Landeshauptmann Kery hatte es mit den Kommunisten noch leichter. Der brauchte nur nach Gyor zu fahren, der Komitatspräsident war im ZK, und was mit dem ausgemacht wurde, das hat auch gehalten."

Heute ist Hans Niessl (SP) froh, dass Premier Viktor Orbán - der mit sich, der Welt und der neueren Zeit ohnehin genug zu tun hat - ihm überhaupt einen Ansprechpartner für Bilaterales zur Verfügung gestellt hat. Mit diesem jungen Péter Szijjártó aus Gyor, der neben Österreich eh nur noch Russland und China auf seiner außenwirtschaftlichen Agenda hat, wurde über das grenzüberschreitende Portfolio für die europäische Förderperiode von 2014 bis 2020 immerhin geredet.

Zeitfenster

Das gilt es auszunützen, wissen die Profis aus dem Burgenland, deren Kompetenz in europäischen Förderdingen weit über die Grenzen hinaus gefragt ist. "Bis zu den ungarischen Wahlen im nächsten Jahr", so beschreibt einer dieser Profis das nun offene Zeitfenster, "müssen die Projekte einreichreif sein." Denn dass nach diesen eine neue Regierung ans Ruder kommt, ist vorstell-, ja absehbar.

Die ins Auge gefassten Projekte - Brüssel stellt dafür rund 30 Millionen Euro zur Verfügung, die national dann aufgedoppelt werden - dienen der noch engeren Verknüpfung der Grenzregion. Das Burgenland stellt dabei unter anderem eine Kooperation in der Berufsausbildung (Niessl: "Duale und bedarfsorientierte Ausbildung") in den Vordergrund; ein entsprechendes Projekt mit dem BFI ist bereits angelaufen.

Der ungarischen Seite ist der Ausbau von Grenzübertrittsmöglichkeiten wichtig. Die bestehenden 29 auf den 366 Kilometern seien weit entfernt vom europäischen Schnitt von einer Straße alle zwei bis drei Kilometer. Péter Szijjártó will 34 zusätzliche Verbindungen nach Österreich.

Die Burgenländer sind mit einer umfangreichen Fotodokumentation über den aktuellen Straßenzustand auf ungarischer Seite angereist. Die herzurichten wäre schon einmal ein Anfang, meint man in Eisenstadt, wo man gleichwohl zuversichtlich ist, den Zeitdruck in konstruktive, grenzüberschreitende Projekte umsetzen zu können. Immerhin geht es da wie dort um die Brüsseler Marie. ( Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 15.2.2013)

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