Arbeitswelt: Outsourcing mit Einbindung

14. Februar 2013, 18:50
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Laut einer AK-Umfrage profitieren Mitarbeiter wenig von strukturelle Veränderungen in Unternehmen

Wien - Es ist nicht so, dass die Betriebsräte heimischer Unternehmen strukturelle Veränderungen grundsätzlich ablehnen. Im Gegenteil: Eine Mehrheit von 54 Prozent ist sogar der Meinung, Auslagerungen, neue Arbeitszeitmodelle oder neue Unternehmensstrategien seien "absolut notwendig" bzw. "notwendig", um den dauerhaften Bestand des Unternehmens zu sichern. Erhoben hat das das Meinungsforschungsinstitut Ifes für die Arbeiterkammer.

Was dabei aber ebenfalls herauskam: Die Belegschaft zweifelt daran, dass der strukturelle Wandel gut umgesetzt wird. Die befragten 269 Betriebsräte (vor allem von größeren Betrieben) haben den Eindruck, in erster Linie würden Eigentümer und die Unternehmen profitieren. Nur zehn Prozent sehen die Mitarbeiter als große Gewinner, für 31 Prozent profitieren sie zumindest "etwas". Was laut Studienautor Georg Michenthaler auffällt: Je weiter entfernt die Entscheidungen getroffen werden, sprich in Konzernzentralen abseits der lokalen Niederlassungen, desto größer ist die Unzufriedenheit.

Mehr Zeitdruck

Die Effekte des Strukturwandels schlagen sich laut Alice Kundtner, Vizedirektorin der Wiener AK, vor allem auf das Arbeitsumfeld nieder. 65 Prozent der Befragten geben an, dass die "Flexibilitätsanforderungen" in ihrem Unternehmen im letzten halben Jahr gestiegen sind. 56 Prozent beklagen zunehmenden Zeitdruck. In Sachen Betriebsklima berichten 35 Prozent von einer Verschlechterung, nur sechs Prozent von einer Verbesserung. Ähnlich ist es bei der Lohnspreizung: Für 19 Prozent wird sie größer geworden, nur für sechs Prozent kleiner.

Der Leitende Sekretär im ÖGB, Bernhard Achitz, fordert daher mehr Personal für die Arbeitsinspektorate, damit diese Verstöße besser kontrollieren könnten. Zudem fordert er einen Aufschlag von einem Euro pro geleisteter Überstunde. Die Mittel könnten jeweils zur Hälfte für AMS-Programme und für die Krankenversicherung verwendet werden.

Um falschen Anreizen in Richtung Leiharbeit entgegenzuwirken, drängt er auf eine Änderung der Bilanzierungsregeln. Derzeit werden Leiharbeiter als Sach- und nicht als Personalaufwand verbucht, sie scheinen also in der Mitarbeiterstatistik nicht auf. (Günther Oswald, DER STANDARD, 15.2.2013)

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    grafik: der standard, quelle: ak wien
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