Widerstand in ÖVP gegen Mikl-Leitners Drogenpolitik wächst

14. Februar 2013, 18:35
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Auch schwarze Landesräte gegen Abkehr von Substitutionstherapie für Suchtkranke

Wien - Der parteiinterne Widerstand gegen die Drogenpolitik von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) wächst: Nach Gesundheitssprecher Erwin Rasinger wendet sich auch die steirische Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder gegen eine Abkehr von der Substitutionstherapie für Opiatabhängige - und warnt vor einer "anlassbezogenen Gesetzgebung".

Durch diese Therapieform, die Süchtigen ein Ersatzmedikament für die Droge bietet, sinke "die Todesrate rapide", argumentiert die Landesrätin: "Die Betroffenen haben wie alle Patientinnen und Patienten ein Recht auf qualitative Behandlung und Rehabilitation." Außerdem sei dank der Substitution die Beschaffungskriminalität im Land zurückgegangen.

Auch Vorarlbergs schwarzer Gesundheitslandesrat Christian Bernhard hält die Substitution generell für "eine gute Sache", rote Landespolitiker teilen diese Meinung ohnehin. Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely wirft der Innenministerin vor, "verantwortungslos" zu handeln.

Bartenstein schweigt

Ein anderer ÖVP-Politiker zieht es hingegen vor zu schweigen. Martin Bartenstein, nach seiner Ministerkarriere Geschäftsführer des Holdingausschusses von Gerot-Lannach: "Für mich besteht ein Conflict of Interest in Hinblick auf das Pharma-Unternehmen."

Substitution ist in ganz Europa Standard: Von 700.000 Patienten leben 16.782 in Österreich. Die Methode helfe Menschen, trotz der schwer zu besiegenden Suchtkrankheit ein würdiges Leben mit Arbeit und Wohnung zu führen, sagt Christoph Lagemann von Oberösterreichs Institut für Suchtprävention. Das sei im Interesse aller: Ohne das Angebot würden Beschaffungskriminalität und HIV-Rate steigen. (nw/jo, DER STANDARD, 15.2.2013)

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