Ministerin in spe

14. Februar 2013, 18:35
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Nicht sehr oft, zugegeben, aber manchmal hat man während der WM auch Mitleid. Mit den Taxifahrern zum Beispiel, in deren Gesichtern sich Nacht für Nacht die Angst vor einer Innenreinigung widerspiegelt. Mit manch netten Freiwilligen, die ihr WM-Flair beim Einweisen auf dem Autoparkplatz genießen dürfen. Und mit den Exoten, die fernab des Trubels auf der Reiteralm um ihren WM-Traum kämpfen.

132 Läufer haben am Donnerstag die Qualifikation im Herren-Riesentorlauf bestritten, darunter Athleten aus Indien, dem Libanon, aus Haiti, Taiwan oder Jamaika. Nur 50 Läufer schafften es auf die Hauptbühne Planai.

Die verpasste Hubertus von Hohenlohe, wobei sich da das Mitleid in Grenzen hielt. Der mit 54 Jahren älteste Teilnehmer lässt sich bei VIP-Partys trösten. Nicht getröstet, sondern herzlich begrüßt wurde Maria Rauch-Kallat im Haus Ski Austria. Sie weilte in ihrer Funktion als Präsidentin des Paralympischen Komitees in Schladming.

"Sehr geehrte Frau Ministerin in spe", nuschelte da einer schwer illuminiert ins kurzerhand geschnappte Mikrofon. "Ich bin nur ein kleiner Milchbauer aus Rabenwald. Aber ich freue mich, dass ich Sie in Ihrer Gegenwart persönlich kennenlernen darf." Da war es wieder da, das Mitleid. Ganz kurz. (David Krutzler, DER STANDARD 15.02.2013)

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