"Die Rechte betreibt Augenauswischerei"

Interview15. Februar 2013, 05:31
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Umberto Ambrosoli ist der Kandidat einer linken Bürgerbewegung in der Lombardei, die große Bedeutung für das gesamtitalienische Wahlergebnis hat.

STANDARD: In Umfragen liegen Sie Kopf an Kopf mit dem regionalen Kandidaten der Mitte-rechts-Koalition, Roberto Maroni. Welche Chancen räumen Sie sich ein?

Ambrosoli: Die Lage ist günstig. Die Experten von Ipsos räumen mir sogar bessere Chancen ein, weiterhin Stimmen dazuzugewinnen.

STANDARD: Wo liegen die Schwerpunkte Ihres Programms?

Ambrosoli: Die Krise hat auch die Lombardei schwer getroffen. Zwar ist die Arbeitslosenrate nur halb so hoch wie die landesweite, aber die Jugendarbeitslosigkeit nimmt ständig zu. Wir wollen eine lombardische Bank gründen, welche den kleinen Unternehmen günstige Kreditmöglichkeiten einräumt. Unbedingt nötig sind die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen und Impulse für ausländische Unternehmen.

STANDARD: Was unterscheidet Sie von Ihrem Konkurrenten?

Ambrosoli: Roberto Maroni, der Generalsekretär der Lega Nord, verbreitet vor allem Slogans. Wir aber erstellen konkrete Programme. 75 Prozent des Steueraufkommens sollen laut Maroni in der Lombardei bleiben. Wenn man alles mitzählt, was man für die Tilgung der Staatsschulden ausgibt, dann bleiben den Lombarden bereits heute schon 78 Prozent. Die Rechte betreibt Augenauswischerei.

STANDARD: Der Kampf gegen die Mafia ist Ihr besonderes Anliegen ...

Ambrosoli: Ja, denn bei der Hälfte aller lombardischen Bauunternehmen und bei einem Großteil der Fremdenverkehrs-, Handels- und Müllverwertungsbetriebe hat das organisierte Verbrechen das Sagen. Wir wollen eine regionale Anti-Mafia-Kommission einführen und durch ausgeklügelte Internet-Fahndungsmethoden eine bessere Kontrolle über die Mafia.

STANDARD: Wie finanzieren Sie Ihre Wahlkampagne?

Ambrosoli: Ich habe unser Budget, insgesamt 1,5 Millionen Euro, detailliert ins Netz gestellt. Maroni hat mindestens das Doppelte zur Verfügung. Wir finanzieren uns aus Spenden der Zivilgesellschaft.

STANDARD: Wer ist diese Bürger- oder Zivilgesellschaft?

Ambrosoli: All jene, die bisher nicht selbst Politik gemacht haben. Etwa die hier sehr große Anzahl der Sozialverbände.

STANDARD: Wer ist der ideale Politiker? Mario Monti?

Ambrosoli: Menschen, die authentisch bleiben trotz Macht und Geld. Solange Monti dem Expertenkabinett vorstand, entsprach er diesen Vorstellungen. Seit er aktiv Politik macht, aber nicht mehr. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 15.2.2013)


Umberto Ambrosoli (41), Rechtsanwalt, ist Sohn des 1979 von der Mafia ermordeten Rechtsanwaltes Giorgio Ambrosoli. Der Kandidat des Patto civico per la Lombardia ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

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