Ein Hypo-Kredit, der um die Welt ging

14. Februar 2013, 18:43
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Die Hypo Alpe Adria hat Strafanzeige eingebracht, die sich auch gegen Tilo Berlin richtet. Es geht um einen Kredit über 84 Millionen Euro

Wien - Auf den ehemaligen Hypo-Alpe-Adria-Chef Tilo Berlin kommen erneut juristische Unbilden zu. Die verstaatlichte Bank hat eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eingebracht, in der ihm und drei weiteren Ex-Bankern der Vorwurf der Untreue gemacht wird. Es geht um den Kreditfall Helios aus dem Jahr 2008, die Bank beziffert ihren Gesamtschaden daraus mit rund 95 Millionen Euro, wie ein Sprecher bestätigt.

Hintermänner

Eingefädelt hat das Geschäft mit der Immobilien-Gesellschaft Helios Properties die Managerin der 2005 eröffneten Hypo-Repräsentanz in London. Um die Kreditnehmerin war es damals schon schlecht bestellt. Sie wies 2006 und 2007 ein negatives Eigenkapital aus, hatte offene Schulden bei einem anderen Kreditinstitut. Die Hintermänner des Kreditnehmers dürften internationale Stiftungen und Trusts gewesen sein, ganz klar ist das heute noch nicht.

Laut Kreditantrag wollte der Immo-Entwickler mit dem Hypo-Geld ein 100.000-Quadratmeter-Areal bei Zagreb samt Hallen erstehen, zum Logistikzentrum ausbauen und um 130 Millionen Euro versilbern. Konkret wurde die Gesellschaft gekauft, der das alles gehörte. Auf den Weiterverkauf hofft der Hypo-Kunde bis heute.

Laut den Recherchen der Hypo, deren Forensikerteam unter Christian Böhler den Fall aufgerollt hat, wurden die Banker 2008 genau davor gewarnt. Die zuständige Abteilung habe den angepeilten Verkaufserlös von 130 Millionen als "nicht nachvollziehbar" eingeschätzt. Zudem hielt man das Zahlenwerk der Kreditwerber für geschönt. Auch dem Rat der Prüfer in der Hypo, ein Schätzgutachten einzuholen, seien die Hypo-Manager nicht nachgekommen, lautet der Vorwurf. In den Wind geschlagen worden seien auch die Einwände des Kreditausschusses. Die Aufsichtsräte hätten zusätzliche Sicherheiten empfohlen und moniert, die Identität der Hintermänner des Deals zu lüften.

Gewinn aus Kredit

Trotz der Warnrufe floss der Kredit: 84 Millionen Euro. Fast die Hälfte davon ging schnurstracks in die nächste Bank, zur Schuldenabdeckung. Weitere 23 Hypo-Millionen reisten gegen den Rat des Kreditausschusses als " Gewinnkomponente" tituliert auf die British Virgins. Empfänger: die Projektentwickler der Verkäufer der Zagreber Immobilie, die damals aber noch im Rohzustand war. Der Wunsch des Kreditausschusses, die Identität der Empfänger zu lüften (Vorstand und Londoner Hypo-Managerin sollen sie gekannt haben) sei nicht erfüllt worden, heißt es in der Bank. Sie hält Kickbacks - also Rückflüsse - nicht für ausgeschlossen.

Das gilt auch für jene 140.000 Euro, die die Hypo als Beratungshonorar nach Mauritius geschickt hat. Das Geld, für das es keinen Leistungsnachweis gebe, lief über einen Ex-Fußballer aus Serbien. Er trat als Mittelsmann auf.

Der damalige Bankchef Berlin erklärt auf Anfrage, dass ihm "zu dem angeblichen Vorgang keine Informationen" vorliegen und verweist "auf die damaligen Kreditverantwortlichen, insbesondere die des Kreditausschusses". Der Standard betont, dass die Unschuldsvermutung gilt. (Renate Graber, DER STANDARD, 15.2.2013)

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    Die Hypo lastet ihrem Ex-Chef Berlin einen Kredit an, der bis heute nicht zurückgezahlt wurde.

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