Am Golf entstehen neue Spielräume für Europäer

14. Februar 2013, 17:55
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Außenminister Spindelegger macht in den Emiraten gut Wetter für österreichische Unternehmen

Die Wolkenkratzer glitzern in der tiefstehenden Wüstensonne, als ob nie etwas gewesen wäre. Nach einigen dürren Jahren und viel Luft, die aus der Immobilienblase in der Boomtown am Golf entwichen ist, hat sich Dubai seit 2011 wieder einigermaßen erfangen. Eine Last-Minute-Finanzspritze aus dem Nachbaremirat Abu Dhabi über zehn Milliarden Dollar rettete die ambitionierten Scheichs unter ihrem Herrscher Mohammed bin Rashid al-Maktoum.

Aber obwohl der flamboyante Scheich erst vor wenigen Monaten wieder ehrgeizige Pläne (100 neue Luxushotels und die größte Shopping-Mall der Welt) ankündigte, deren Volumen Experten auf 25 bis 50 Milliarden Dollar schätzen, werden die Hochhäuser nicht mehr wie einst in den Himmel wachsen – in Dubai nicht und am gesamten Golf genauso wenig.

Denn mit der massiven Schiefergasförderung in den USA haben sich die ökonomischen und geopolitischen Gewichte in der Region deutlich verschoben. Die Golfstaaten kommen über den Gaspreis (vor allem das Emirat Katar) unter Druck, gleichzeitig relativiert sich die (auch politische) Abhängigkeit der USA von der Region deutlich.

"Derzeit pressen etwa die Explorationsunternehmen in Abu Dhabi Erdgas in Ölförderstätten, um das Öl an die Oberfläche zu bekommen, weil für das Gas am Markt nichts zu erlösen ist. Über die Flüssiggasterminals, die die Araber in den USA gebaut haben, um ihr Gas dort loszuwerden, exportieren heute die Amerikaner in alle Welt", sagt ein Ölmanager dem Standard in den Emiraten.

Gleichzeitig laufen 2014 seit mehr als 60 Jahren bestehende Ölkonzessionen aus, die bisher von den großen Weltmarkt-Spielern – Amerikanern, Briten und Franzosen – gehalten wurden. Weil die Scheichs in der neuen Marktlage diversifizieren müssen, haben etwa Chinesen und auch kleinere europäische Konzerne wie die OMV gute Chancen, Förderrechte in den Emiraten zu erhalten.

Etwas befremdet

Außenminister Michael Spindelegger versuchte deswegen auch auf seiner derzeitigen Golfreise in Abu Dhabi und Dubai, gutes Wetter für die OMV zu machen. Vor allem auch deswegen, weil die Scheichs noch immer ein wenig befremdet waren, dass die Bundesregierung ihrer IPIC-Holding zuletzt verwehrt hatte, den Ölkonzern ganz zu übernehmen.

Entschädigt wurden die arabischen Aktionäre durch die Investitionen und den Erfolg der Borealis-Gruppe am Golf. In Borouge baut diese derzeit für fünf Milliarden Euro ein großes Werk für Polypropylen und Polyethylen aus, das 2014 in Vollbetrieb gehen soll. In Dubai baut Wagner-Biro Brücken, und große Chancen bieten sich auch im entstehenden öffentlichen Verkehrssektor.

Insgesamt hat Österreich 2011 Waren im Wert von 518 Millionen Euro in die Emirate exportiert, 2012 sollen es 600 Millionen geworden sein. Das ist in etwa das Volumen, das im vergleichsweise viel größeren Nachbarland Saudi-Arabien umgesetzt wird. "Je mehr sich Araber und Amerikaner auseinanderleben, desto besser für uns Europäer und Österreicher", heißt es in Abu Dhabi, "das eröffnet uns neuen Spielraum." (Christoph Prantner aus Dubai /DER STANDARD, 15.2.2013)

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